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Dienstag, 27. Juni 2017

Ehrengastauftritt Frankreich: „Öffnung hin zu einem Europa der Gastfreundschaft“ - Ehrengastpräsentation im Zeichen der Vielstimmigkeit

134 Autoren und Künstler aus Frankreich, der französischen Schweiz, Belgien, Luxemburg, Kanada sowie aus Afrika, Asien und dem Maghreb werden ihre Werke auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen. Wajdi Mouawad wird als literarischer Redner zur Eröffnung der Buchmesse (Dienstag, 10. Oktober 2017) erwartet. Wajdi Mouawad ist Autor, Schauspieler und Dramaturg libanesischer Herkunft und aktuell Direktor des Théâtre national de la Colline in Paris. Er repräsentiert den Ehrengastauftritt in optimaler Weise durch seinen Werdegang und seine Art, mit Sprache in ihrer ganzen Vielfalt umzugehen. Der Ehrengastauftritt wird von einer beeindruckenden Anzahl von Übersetzungen begleitet: 130 deutschsprachige Verlage übertragen 473 Romane, Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher und Graphic Novels ins Deutsche (Stand Juni 2017).

„Mit weit mehr als hundert französischsprachigen Autoren, die auf der Frankfurter Buchmesse anwesend sein werden, und hunderten Kulturveranstaltungen inner- und außerhalb der Buchmesse, steht „Francfort en français“ als Symbol eines neuen Aufschwungs zwischen Frankreich und Deutschland und vermittelt eine sehr starke Öffnung in Richtung eines Europas der Gastfreundschaft“, sagte Paul de Sinety, Vorsitzender des Ehrengastauftritts.

„In einer Zeit, in der Europa politisch zunehmend unter Druck gerät und in dessen Bevölkerung wir tiefe Risse beobachten, festigt der Auftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Gleichzeitig entsteht hier ein lebendiger kultureller Raum, der weit über geographische Grenzen hinausweist. In wenigen Wochen werden wir in Frankfurt Autoren erleben, die sich mit ihrer (Wahl-)Heimat auseinandersetzen, das Bild Frankreichs in der Welt hinterfragen und neu erfinden, mit Vorurteilen und Klischees aufräumen. Und dies unabhängig davon, ob sie nun in Frankreich geboren sind oder aus beruflichen, politischen oder persönlichen Gründen das Französische als ‚langue de préférence‘ angenommen haben“, so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, auf der Pressekonferenz.

Ehrengastpräsentation: Experimentierraum der Vielstimmigkeit

Im Zentrum des Gastlandauftritts steht die Ehrengastpräsentation. Auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern entsteht im Forum, Ebene 1, ein dreidimensionales Gesamtkunstwerk, an dem die große Vielfalt der frankophonen Literatur erfahrbar wird. „Der Pavillon ist konzipiert als Raum für Ausstellungen, Diskussionsrunden und Begegnungen mit Autoren. Er ist eine Bibliothek, welche die Vielfalt der französischsprachigen Literatur beherbergt. Gleichzeitig verleiht ihm ein Tragwerk aus Holzleisten die Anmutung eines Baugerüsts, das den Prozess des Entstehens und des Werdens symbolisiert. Schließlich soll der Pavillon aber auch Orientierung bieten. Im Zeichen der Gastfreundschaft und des Austauschs wird die Ehrengastpräsentation der lebendigen und grenzenlosen französischsprachigen Literatur eine Bühne bereiten“, sagte Ruedi Baur, der Künstlerische Leiter des Ehrengastauftritts. Im Pavillon werden mehrere Ausstellungen präsentiert, darunter eine Auswahl belgisch-französischer Graphic Novels und eine Darstellung der über 200-jährigen französischen Verlagsgeschichte.

Im Pavillon lässt sich anhand einer Nachbildung der berühmten Gutenberg-Presse die Geschichte des Buchdrucks erforschen. Die Gestaltung der Ehrengastpräsentation entsteht nach einem Entwurf der Hochschuldozenten Denis Coueignoux und Éric Jourdan in Zusammenarbeit mit den Studierenden der Hochschule für Kunst und Design Saint-Etienne und mit Unterstützung der Stadt Saint-Etienne.

Ehrengastprogramm in Frankfurt

Kulturfreunde können im Oktober in der gesamten Stadt Frankfurt französischsprachige Autoren und Künstler entdecken. Am Sonntag, 8. Oktober 2017 finden sich Schriftsteller, Historiker und Philosophen zur Veranstaltung „Je vous écris d’Europe“ ein, bei der erörtert wird, was man über Europa schreibt, denkt, erinnert und vergisst. Im Schauspiel Frankfurt werden unter anderem Michel Houellebecq und Yasmina Reza auftreten. Weitere Lesungen und Diskussionen mit französischen Intellektuellen finden in der Romanfabrik, im Literaturhaus Frankfurt und in der Goethe-Universität statt.

 Das Französische Kulturjahr
Der Ehrengastauftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse (11.–15. Oktober 2017) bildet den Höhepunkt eines französischen Kulturjahrs in ganz Deutschland mit einem vielfältigen und spartenübergreifenden Programm, das gemeinsam mit dem Institut français Deutschland umgesetzt wird. Mehr als 300 Veranstaltungen finden 2017 unter dem Label „Frankfurt auf Französisch“ bundesweit statt: Theater, aktuelle Musik, Bildende Kunst, Kino, Literaturbegegnungen und vieles mehr mit 250 beteiligten KünstlerInnen und französischsprachigen AutorInnen.

Über die Frankfurter Buchmesse
Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7.150 Ausstellern aus 106 Ländern, rund 278.000 Besuchern, über 4.000 Veranstaltungen und rund 10.000 akkreditierten Journalisten, davon 2.400 Blogger, die größte Fachmesse für das internationale Publishing. Darüber hinaus ist sie ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus der Filmwirtschaft und der Gamesbranche. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an rund 20 internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Mit der Gründung des Frankfurter Buchmesse Business Clubs bietet die Frankfurter Buchmesse Unternehmern, Verlegern, Gründern, Vordenkern, Experten und Visionären ideale Voraussetzungen für ihr Geschäft. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Und der n-ost-Reportagepreis 2017 geht an ...

Mit dem n-ost-Reportagepreis 2017 zeichnet n-ost zum elften Mal herausragende, hintergründige Geschichten aus Osteuropa aus, die im Vorjahr in deutschsprachigen Medien erschienen sind. Der Preis wird in den drei Kategorien Text, Radio und Foto je ein Mal vergeben und ist mit jeweils 2.000 Euro dotiert.

Preisverleihung

Wer die diesjährigen Gewinner sind, erfahren Sie
am Donnerstag, 29. Juni 2017, um 20 Uhr
im Grünen Salon der Volksbühne Berlin (U2 Rosa-Luxemburg-Platz).
Der Eintritt ist frei. Wir bitten um Anmeldung unter reportagepreis@n-ost.org.

Im Mittelpunkt der Preisverleihung stehen die nominierten Reportagen und ihre Autoren.
Die Schauspielerin Dorothee Krüger liest Auszüge aus den drei Textreportagen der Endrunde: über den russischen Aktionskünstler Pjotr Pawlenski, stolze Fußballfans in Albanien und 71 Tote, die zum Symbol der Flüchtlingskrise wurden.
Sie hören Ausschnitte aus drei Radiofeatures: zum Traum zweier Abenteurer von einem neuen Griechenland, dem erzwungenen Neuanfang eines Berliners im Kosovo und der Lebenswirklichkeit von Roma in der Slowakei.
Und die nominierten Fotografen kommentieren ihre Fotoreportagen aus Litauen, Bergkarabach und dem russischen Dorf Elatma. Sie erzählen vom Leben und vom Tod, vom kalten Frieden entlang von Schützengräben und von der Verbannung ins Paradies.
Die Laudationes auf die Preisträger halten Werner D’Inka (Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung), Silke Engel (Sprecherin der Universität Potsdam) und Michael Hauri (Geschäftsführer von 2470.media).
Im Rahmen des Abends wird außerdem der Recherchepreis Osteuropa von Brot für die Welt und Renovabis vergeben.
Durch den Abend führt Tamina Kutscher (Vorstand n-ost, Chefredakteurin dekoder.org).

Nominierte n-ost-Reportagepreis 2017

Die Nominierten der Kategorie Textreportage sind:
  • Alice Bota: Dieser Mann will ins Gefängnis, Die Zeit, 09.06.2016 
  • Roman Deininger: Stolz und Vorurteil, Süddeutsche Zeitung, 11.06.2016
  • Felix Hutt: 71 Leben, Stern, 04.08.2016

Die Nominierten der Kategorie Radioreportage sind:
  • Elisabeth Putz: Die Alltäglichkeit des Unsichtbaren, Deutschlandradio, 28.05.2016
  • Rainer Schildberger: Ingredients of democracy. Der Traum von einem neuen Griechenland, RBB-Hörfunk, 08.06.2016
  • Heike Tauch: Bürger zweiter Klasse. Eine neu-deutsche Familie, DLF, 15.11.2016

Die Nominierten der Kategorie Fotoreportage sind:
  • Hannes Jung: How is life?, Emerge, 22.12.2016
  • Anastasia Rudenko: Paradise, Fluter.de, 19.02.2016 
  • Jakob Schnetz: Kalter Frieden, Hant, 11.06.2016 

n-ost
Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung
Alexandrinenstraße 2-3
D-10969 Berlin

Tel: +49 (0)30-259 32 83-0
Fax: +49 (0)30-259 32 83-24
mail@n-ost.org

Montag, 19. Juni 2017

Anhörung zum NetzDG: ROG fordert grundlegend neuen Ansatz zur Regulierung sozialer Netzwerk

Anhörung zum NetzDG: ROG fordert grundlegend neuen Ansatz zur Regulierung sozialer Netzwerk


(Diese Meldung auf der ROG-Webseite: http://ogy.de/kff1)

19.06.2017 – Reporter ohne Grenzen (ROG) appelliert an den Bundestag, das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz in seiner aktuellen Form abzulehnen, um Schaden von der Presse- und Meinungsfreiheit abzuwenden.

„Strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken sind ein reales Problem und sollten gelöscht werden. Aber dieser Gesetzentwurf vermischt ganz verschiedenartige Rechtsprobleme, setzt auf untaugliche Mittel und ist schlecht begründet“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr vor der Anhörung zum Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen am (heutigen) Montag im Rechtsausschuss des Bundestags, zu der als Sachverständiger geladen ist (http://ogy.de/n290).

„Soziale Netzwerke sind längst zu wichtigen Werkzeugen der Pressefreiheit geworden. Wer sie regulieren will, muss mit Augenmaß vorgehen, um das Problem der intransparenten und willkürlichen Löschpraktiken von Unternehmen wie Facebook nicht noch zu verschärfen“, sagte Mihr. „Deshalb sollte der Bundestag in der kommenden Legislaturperiode einen grundlegend neuen Anlauf unternehmen, um auf solider Datengrundlage und unter frühzeitiger Einbeziehung der Zivilgesellschaft eine angemessene Regulierung zu entwickeln.“

Die ROG-Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD steht unter http://ogy.de/9oxu zum Download bereit. Weitere Materialien zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) wie die kritischen Stellungnahmen des UN-Sonderberichterstatters für Meinungsfreiheit, David Kaye, und des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/internetfreiheit/regulierung-sozialer-medien/.

SOZIALE NETZWERKE HABEN GROSSES FREIHEITSPOTENZIAL

Soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter sind heute wichtige Recherche- und Verbreitungswegen für Journalisten. In Ländern wie China, der Türkei oder Vietnam ermöglichen sie es Journalisten, die umfassende Zensur traditioneller Medien zu umgehen und neue Kanäle zu finden, um trotz staatlicher Restriktionen unabhängige Informationen zu verbreiten. Manche Nachrichtenportale publizieren nur oder vor allem auf solchen Plattformen. Auch in Deutschland sind Medienhäuser und Journalisten auf soziale Plattformen angewiesen, um neue Verbreitungswege zu entwickeln und trotz veränderter Gewohnheiten der Mediennutzung ihr Publikum zu erreichen.

Dieses enorme Freiheitspotenzial droht beschädigt zu werden, wenn Deutschland im Hauruckverfahren ein unausgereiftes Gesetz mit gefährlichen Folgen für die Pressefreiheit in die Welt setzt, das zum Präzedenzfall für neue Zensurgesetze in Ländern mit weniger entwickeltem Rechtsstaat werden könnte.

IMMER WIEDER WERDEN JOURNALISTISCHE BEITRÄGE GELÖSCHT

Dabei wäre eine Regulierung sozialer Medien dringend nötig. Denn schon heute entfernen soziale Netzwerke immer wieder journalistische Inhalte und rücken allenfalls nach Protesten davon ab. So löschte Facebook im vergangenen September einen Post der norwegischen Zeitung Aftenposten, der das weltberühmte Foto des „Vietnam-Mädchens“ zeigte, das nackt vor einem Napalm-Angriff flieht (http://ogy.de/0g95). Im Juni 2016 sperrte das soziale Netzwerk das Account des französischen Journalisten David Thomson von Radio France International, der auf dschihadistische Bewegungen spezialisiert ist und in einem älteren Post ein Foto gezeigt hatte, auf dem eine Flagge des „Islamischen Staates“ zu sehen war (http://ogy.de/ufzx). Im März 2015 sperrte Facebook das Account des US-Kunstkritikers Jerry Saltz, weil er mittelalterliche Gemälde mit Folterszenen hochgeladen hatte (http://ogy.de/1qwk).

In Myanmar geriet Facebook vergangenen Monat in die Kritik, weil das Netzwerk plötzlich Beiträge sperrte, die das Wort „kalar“ enthielten – eine oft von nationalistischen Hetzern verwendete abschätzige Bezeichnung für die muslimische Minderheit im Land (http://ogy.de/8h2a). Das gleiche Wort kann aber auch in völlig unverfänglichen Ausdrücken vorkommen oder in journalistischen Artikeln über die Hetze von Nationalisten gegen Minderheiten verwendet werden. Gelöscht wurde es trotzdem und automatisch (http://ogy.de/dc56).

Solche Fälle zeigen, wie problematisch es ist, dass soziale Netzwerke nach oft völlig undurchsichtigen Regeln in Eigenregie entscheiden, bestimmte Beiträge zu löschen. Seit Jahren kritisiert Reporter ohne Grenzen deshalb, dass zum Beispiel Facebook sich einer ernsthaften Debatte über seine intransparente Löschpraxis verweigert. Mit dem geplanten Netzdurchsetzungsgesetz will die große Koalition diese private Rechtsdurchsetzung nun verschärfen, anstatt die Löschpraktiken stärker an rechtsstaatliche Verfahren zu binden.

UNKLARE KRITERIEN, GEFÄHRLICH SCHWAMMIGE FORMULIERUNGEN

Das geplante Gesetz soll soziale Netzwerke mit mehr als zwei Millionen Nutzern in Deutschland verpflichten, „offensichtlich rechtswidrige“ Inhalte wie Volksverhetzung, Bedrohung, Beleidigung oder üble Nachrede innerhalb von 24 Stunden nach Eingang einer Beschwerde zu löschen, sonstige „rechtswidrige“ Inhalte innerhalb von sieben Tagen. Bei Verstößen droht das Gesetz verantwortlichen Personen mit Bußgeldern von bis zu fünf Millionen Euro, die betroffenen Unternehmen können mit bis zu 50 Millionen Euro belangt werden.

Die Gesetzesbegründung stützt sich auf die vagen Begriffe „Hasskriminalität“ und „strafbare Falschnachrichten“, deren Bekämpfung „auch in Deutschland eine hohe Priorität“ gewonnen habe. Damit lehnt sie sich offensichtlich an die in der öffentlichen Debatte geläufigen Begriffe „fake news“ und „hate speech“ an. Statt sie jedoch klar zu definieren, verweist der Entwurf auf eine Reihe bestehender Straftatbestände. Als Beleg nennt er eine einzige Erhebung von jugendschutz.net, die auf begrenzter Datenbasis nur zwei dieser Straftatbestände untersuchte, nämlich Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (http://ogy.de/aka8).

Warum und nach welchen Kriterien 22 weitere Straftatbestände in das Gesetz aufgenommen werden sollen, ist nicht nachvollziehbar: Der Entwurf kann nicht belastbar zeigen, bei welchen Delikten welche Probleme in der Rechtsdurchsetzung auftreten. Für das vermeintliche Problem „strafbarer Falschnachrichten“ konnte das Bundesjustizministerium auf Nachfrage von Journalisten kein einziges Beispiel nennen (http://ogy.de/897q).

Das Gesetz soll laut Entwurf auch für „andere strafbare Inhalte“ gelten – eine schwammige und willkürlich auslegbare Formulierung, die Spielraum für eine unverhältnismäßig breite Interpretation lässt. In autokratisch regierten Ländern werden solche vagen Formulierungen regelmäßig genutzt, um Grundrechte zu beschneiden.

Durch strenge Zeitvorgaben und die Androhung hoher Bußgelder birgt das Gesetz die Gefahr, dass soziale Netzwerke in Zukunft übermäßig Inhalte blockieren. Indem die Betreiber aus Angst vor Strafe in jedem Fall rechtmäßig handeln wollen, könnten sie im Zweifel auch journalistische Artikel oder Meinungsäußerungen löschen, bei denen nicht abschließend geklärt ist, ob sie rechtswidrig sind oder nicht. Über die Rechtmäßigkeit von Meinungsäußerungen müssen jedoch unabhängige Gerichte entscheiden; keinesfalls darf diese Aufgabe noch stärker an kommerzielle Unternehmen ausgelagert werden.

„HASSKRIMINALITÄT“ UND „STRAFBARE FALSCHNACHRICHTEN UNTERSCHIEDLICH BEHANDELN

Bedenklich ist außerdem, dass der Gesetzentwurf „Hasskriminalität“ ebenso behandelt wie „strafbare Falschnachrichten“: Während es in Fällen offensichtlicher „Hasskriminalität“ geboten sein kann, Beiträge schnell zu sperren, um Schaden vom demokratischen Diskurs abzuwenden, ist die Prüfung angeblicher Falschnachrichten rechtlich deutlich komplexer. Wenn Mitarbeiter sozialer Netzwerke fortan den Wahrheitsgehalt von Informationen unter hohem Zeitdruck prüfen sollen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch journalistische Berichte löschen, die zum Beispiel aus Gründen des Quellenschutzes Faktenbehauptungen enthalten, die nicht unmittelbar nachprüfbar sind.

Das Gesetz verpflichtet soziale Netzwerke auch zur Einführung so genannter Inhaltsfilter – digitaler Systeme also, die online gestellte Inhalte in Bruchteilen von Sekunden analysieren und gegebenenfalls an allen verfügbaren Stellen löschen. Dies kann zur Folge haben, dass Menschen bestimmte Inhalte faktisch nicht mehr veröffentlichen können, obwohl sich keine juristische Instanz damit auseinandergesetzt hat, ob deren Inhalt strafbar ist oder nicht. So können zum Beispiel Rekrutierungsvideos der Terrororganisation „Islamischer Staat“ für sich genommen rechtswidrig sein. Wenn sich Journalisten aber damit kritisch auseinandersetzen, kann es rechtens und aus demokratischer Perspektive wünschenswert sein, solches Material auszugsweise zu zeigen.

Wegen dieser und weiterer Mängel empfiehlt Reporter ohne Grenzen dem Bundestag, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz insgesamt zu verwerfen. In der kommenden Legislaturperiode sollte dann ein völlig neuer Anlauf zur Regulierung sozialer Netzwerke genommen werden, in den alle Stakeholder einbezogen werden müssen und für den zunächst eine ernstzunehmende empirische Datengrundlage zu schaffen ist. Dabei muss es nicht zuletzt darum gehen, die Unternehmen zu verbindlicher Transparenz über ihre Löschpraktiken wie auch zu mehr Transparenz über ihre Algorithmen zu bewegen.

PROTEST AUS DER GESELLSCHAFT

Reporter ohne Grenzen hat bereits Anfang April zusammen mit einer breiten Allianz von Wirtschaftsverbänden, netzpolitischen Vereinen, Bürgerrechtsorganisationen und Rechtsexperten in einer gemeinsamen „Deklaration für die Meinungsfreiheit“  vor den Auswirkungen des Gesetzentwurfs auf die Meinungsfreiheit gewarnt (http://t1p.de/ryae; http://deklaration-fuer-meinungsfreiheit.de).

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Deutschland auf Platz 16 von 180 Staaten. Weitere Informationen zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/deutschland.


WEITERFÜHRENDE LINKS:

- ROG-Stellungnahme für die Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestags: http://ogy.de/9oxu

- Materialien zur NetzDG-Debatte: www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/internetfreiheit/regulierung-sozialer-medien/

Mittwoch, 14. Juni 2017

DIGILITY - Europas größte Augmented und Virtual Reality-Konferenz und Expo findet zum zweiten Mal in Köln statt

#AR #VR #MR #360 #3D #DIGILITY17

Vom 05. - 06. Juli wird die DIGILITY Konferenz und Expo ihren Fokus erneut auf die Themen Augmented und Virtual Reality, Mixed Reality, Wearable Computing, 360°-Imaging, 3D-Entwicklungen und Künstliche Intelligenz legen. Nach der letztjährigen, erfolgreichen Premiere mit 1.000 internationalen Teilnehmern aus 32 Ländern und mehr als 70 Speakern, forciert die Koelnmesse Investitionen in neue Entwicklungen und die rasch anwachsenden, digitalen Märkte. Zum ersten Mal wird die DIGILITY in diesem Jahr gemeinsam mit dem Hauptsponsor Audi und weiteren Partnern wie HTC, Vectorform und Salt ’n Pepper, einen Hackathon ausrichten. Dieser wird 32 Stunden dauern und damit die dritte wichtige Säule neben der Konferenz und Expo für die DIGILITY sein.

International bekannte Speaker wie Jody Medich (Singularity University), Prof. Mel Slater (eventLAB / Virtual Body Works), Bianca Jürgens (Mercedes-Benz), Yobie Benjamin (Avegant), Jay Donovan (TechCrunch), Rosa Riera (Siemens), Hervé Fontaine (HTC) und Dominic Eskofier (NVIDIA) – werden Visionen, praktische Anwendungen für AR/VR/MR präsentieren und Einblicke in immersive Technologien und Innovationen geben.

Jody Medich arbeitete als Principal Experience Designer maßgeblich am HoloLens-Projekt bei Microsoft und als Principal UX bei LEAP Motion mit. Sie wird auf der DIGILITY zeigen, wie die Verschwendung von kognitiven Ressourcen mit Hilfe von AR/VR/MR aufgehalten werden kann und die Schnittstellen von Kopf-Körper-Computer durch Entwickler völlig neu gedacht werden müssen.

Prof. Mel Slater wird Ideen präsentieren, wie Virtual Reality unser menschliches Leben bereichern und verbessern kann. Seine Forschungen haben das Verständnis, wie VR unsere Wahrnehmung des Menschen an sich verändern kann, elementar geprägt. Außerdem wird Yobie Benjamin, Technology Pioneer des World Economic Forums und Mitgründer von Avegant, einen Einblick darüber geben, welche zugrundeliegenden Technologien unsere Experiences mit am Körper tragbaren Datengeräten vorantreiben. Und last but not least wird Rosa Riera vom Launch der neuen Employer Brand von Siemens berichten, die mit einer Serie an VR-Dokumentationen vorgestellt wurde und maßgeblich den Dialog im Unternehmen fördert.

Die enorm schnell wachsende AR/VR-Industrie steigert die Notwendigkeit und Nachfrage nach stabilen Hardware- und Softwarelösungen, neuen Geschäftsmodellen sowie den Ruf nach Investitionen und Förderungen. Die DIGILITY wird auch 2017 eine offene Plattform bieten, für alle jene, die sich für neue Möglichkeiten in der Entwicklung für Marken, Unternehmen, den Mittelstand und Chancen für Startups und Investoren interessieren. Einige der Highlights werden sein: die Keynote von Mercedes-Benz, die Virtual Reality im Bereich Engineering Research und Implementation mittels Virtual Reality einsetzen; Innovationen wie Innoactives’ Holocloud - ein VR Kollaborationstool für Enterprises - oder MediaMarktSaturns Lösung für den Einzelhandel, die bereits einen Ausblick in Richtung Zukunft gibt: Roboter werden uns durch Shops navigieren, Augmented und Virtual Reality werden unsere Online- und Offline-Welten miteinander verschmelzen lassen; und Artificial Intelligence wird genau das Produkt präsentieren, wonach der Kunde sucht. Auf der Expo im Boulevard der Koelnmesse werden Aussteller aus der ganzen Welt ihre Services und Produkte präsentieren und die Besucher sie selbst ausprobieren lassen.

DIGILITY HACKATHON
Der erste DIGILITY Hackathon wird am 05. Juli morgens starten und der „Wissensgenerator“ des Events sein. Die Koelnmesse und Audi als Hauptsponsor, werden rund 100 Interessierten die Möglichkeit geben, 32 Stunden lang an einer gemeinsamen Problemstellung, kollaborativ zu arbeiten und die Ergebnisse am zweiten Tag der Konferenz einem breiten Publikum zu präsentieren.

„Audi ist der Ansicht, dass dies ein wichtiger Moment ist, um den aktuellen Stand der virtuellen Zusammenarbeit, Interaktion und des UX/UI-Designs in diesen Technologien zu erforschen und wir sind stolz, den DIGILITY Hackathon 2017 zu sponsern. Audi unterstützt die Herausforderung, aus neuen Ideen rasch Prototypen zu entwickeln, neue Talente zusammenzubringen und so eine europäische XR-Szene zu entwickeln", sagen Jan Pflüger und Jens Angerer vom Kompetenzzentrum AR & VR/ProductionLab @Audi.

Um am Hackathon teilzunehmen, können Interessierte sich auf der Website der DIGILITY  bewerben. Unterstützt wird der Hackathon von den Firmen Unity, Vectorform sowie Salt ’n Pepper.

Mehr Informationen
An beiden Konferenztagen werden die Teilnehmer in Workshops neue Developing Tools, Hardware-Lösungen und Design Thinking-Methoden erlernen können. Die Themen reichen von „Creating Cinematic VR Content“, „How to identify a meaningful VR product for your business“ bis hin zu „Interactive 360° VR Experiences in minutes“. Eine Anmeldung zu den Workshops ist ebenfalls auf der Website erforderlich.

Die Liste der Speaker, die Themen und das Programm werden kontinuierlich bis zum Event aktualisiert. Tickets und Informationen erhalten Sie unter www.digility.de .

Bilder und die Keynotes der DIGILITY 2016 sind hier verfügbar: http://www.digility.de/index.php?id=picsandvids&L=0.

Den Video Review des letzten Jahres finden Sie hier:
https://www.youtube.com/watch?v=1Qia0CIuEBc .

Alle Informationen über die DIGILITY 2017, sowie Fotos und Materialien, finden Sie unter www.digility.de.

Facebook: www.facebook.com/digility.cologne
Twitter:  http://twitter.com/digilityCGN
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Samstag, 10. Juni 2017

„Vom Brückenbauen und platzenden Blasen in der britischen Verlagswelt: Bücher in Zeiten des Brexit“ - Jacks Thomas, Direktorin der London Book Fair, über die Zukunft der britischen Verlagsbranche

Im Rahmen der Vorlesungsreihe „The Future of the UK / Die Zukunft Großbritanniens“ hält Jacks Thomas, Direktorin der London Book Fair, am Montag den 19. Juni 2017 um 17.00 Uhr, einen Vortrag über die Zukunft der britischen Verlagsbranche am Großbritannien-Zentrum (Mohrenstraße 60, Raum 105) der Humboldt-Universität zu Berlin.

In Ihrem Vortrag „Vom Brückenbauen und platzenden Blasen in der britischen Verlagswelt: Bücher in Zeiten des Brexit“ wird Jacks Thomas über die aktuellen Trends der britischen Verlagsbranche berichten. Zentrale Themen sind die Ungewissheit angesichts des Brexit und die Zukunft der Verlagsbranche in einer „post-truth“-Ära, die zunehmend von gefälschten Nachrichten beeinflusst wird.

Der Vortrag ist kostenfrei und findet in englischer Sprache statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Großbritannien-Zentrums (GBZ) an der Humboldt-Universität zu Berlin:

www.gbz.hu-berlin.de

Jacks Thomas ist seit Januar 2013 Direktorin der London Book Fair. Mit über 25.000 Teilnehmern aus 124 Ländern gehört die internationale Buchmesse zu den etablierten und wichtigen Ereignissen der globalen Verlagsbranche.

Freitag, 2. Juni 2017

Flüchtlings-Kochbuch zum Leben erwecken – unterstützen Sie uns!

Hallo zusammen,

wir arbeiten seit zwei Jahren an einem Kochbuch mit Flüchtlingen, denn wir glauben, dass dadurch Deutschlands Küche reicher wird. Dabei haben wir köstliche unbekannte Gerichte entdeckt – wie zum Beispiel einen armenischen Zimtkürbis.

Die Verlage behaupten für dieses Thema gibt es keine Leser in Deutschland. Wir glauben das einfach nicht! Deshalb möchten wir mit einer Crowdfunding- Aktion das Kochbuch zum Leben erwecken.

Und jetzt kommen Sie ins Spiel – damit wir das Geld für die Mindestauflage zusammen bekommen, benötigen wir für unser Projekt natürlich die höchstmögliche Aufmerksamkeit. Alle übrigen Gelder werden gespendet oder fließen in weitere Flüchtlingsprojekte.

Hier finden Sie den Link zum Crowdfunding: www.startnext.com/recipeswelcome

Es wäre super, wenn Sie:
  1. uns am besten selbst unterstützen und ein Buch kaufen :-)
  1. das Projekt auf Ihrer Webseite oder im Newsletter erwähnen
  1. das Projekt in Ihren sozialen Netzwerken teilen
  1. uns weitere Kontakte vermitteln, für die unser Projekt interessant ist
Hier noch unsere Facebook- und Instagram-Seite:

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Bei Rückfragen melden Sie sich bitte einfach.

Vielen Dank für alles!

Herzliche Grüße,

Anna, Kathi & Nora