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Mittwoch, 12. April 2017

Images in Conflict – Fotoausstellung und Symposium in Hannover

wie lässt sich in unserer medialisierten Welt auf Kriege blicken? Wie kann Wahrheit für die Öffentlichkeit aus verschiedenen Perspektiven sichtbar gemacht werden? Die Ausstellung „Images in Conflict“, die vom 18. Mai bis zum 18. Juni in der Galerie für Fotografie (GAF) gezeigt wird, betrachtet diese Fragen aus der Sicht zeitgenössischer Fotografen und Künstler, die nach Formen der Auseinandersetzung jenseits der aktuellen Berichterstattung suchen. Die Vernissage ist am Mittwoch, 17. Mai, um 19:30 Uhr.

Die Ausstellung
Wir leben in einer visuell geprägten Kultur. Fotografische und filmische Bilder informieren und beeinflussen uns; sie formen unseren Blick auf die Welt und unser Verständnis von Krisen und Konflikten. Doch Bilder stehen auch im Widerspruch zueinander. Sie erreichen uns über verschiedene Kanäle und vermitteln disparate Botschaften. Wir zweifeln an ihrer Echtheit und hinterfragen ihre Wirksamkeit.
In ihren Arbeiten nehmen die ausstellenden Fotografinnen und Fotografen die sich wandelnden Funktionen von fotografischen und filmischen Bildern in Krisen- und Konfliktsituationen in den Blick und thematisieren die Rolle der Medien in den verschiedenen Bereichen der Kriegsführung.
Der britische Fotograf Edmund Clark untersucht die visuelle Sprache des globalen „Krieges gegen den Terrorismus“. Er verdeutlicht, wie die Konflikte und Krisen unserer Zeit in unser Bildgedächtnis eingebrannt sind und wie durch Prozesse der Zensur und Machtausübung im US-Gefangenenlager Guantánamo ganz neues Bildmaterial entsteht.
Fragen nach journalistischen Auswahlprozessen, die bei Fotografinnen und Fotografen, Bildagenturen und Redaktionen erfolgen, kommen in der Arbeit “War Porn” von Christoph Bangert zum Tragen. Seine expliziten Aufnahmen zeigen die sonst unsichtbare Seite des Krieges und thematisieren den Konflikt zwischen Zeigen und Wegsehen, den die brutale Kriegsrealität hervorruft.
Der schonungslosen Sichtbarkeit von „War Porn“ steht die nüchterne Dokumentation von Alltagsgegenständen in der Arbeit des bosnischen Fotojournalisten Ziyah Gafić gegenüber. Seit 2010 katalogisiert er die persönlichen Habseligkeiten, die als letzte Zeugen an die Existenz der um die 30.000 Vermissten des Bosnienkrieges erinnern und aus den Massengräbern exhumiert wurden. Bis heute dienen diese Gegenstände – und Gafićs visuelles Archiv – dazu, die Toten zu identifizieren.
Mit Wirksamkeit und Omnipräsenz von Bildmaterial in Krisensituationen setzt sich auch der Filmemacher und Künstler Harun Farocki auseinander. Seine Videoarbeit “Serious Games” beleuchtet die Verwendung von Computerspiel-Technologien zur Ausbildung amerikanischer Soldaten – sowohl zur Vorbereitung auf den Kriegseinsatz als auch zur Behandlung traumatisierender Erlebnisse.
In der eindringlichen Videoinstallation “Sleeping Soldiers” von Tim Hetherington werden die Widersprüche des Kriegserlebens sicht- und spürbar. Intime Aufnahmen von schlafenden US-Soldaten in einem Außenposten in Afghanistan werden mit Szenen intensiver Gefechte überblendet. Die Verletzlichkeit der jungen Männer steht ihrem oft gewalttätigen Alltag gegenüber.
Dass Krieg nicht gleich Krieg ist, hat auch die syrische Grafikdesignerin Dona Abboudbeobachtet. Für ihre Arbeit „Outside Syria, inside Facebook“ sammelte sie Bilder, die Menschen aus Syrien in sozialen Netzwerken geteilt haben. Sie zeigt, wie persönliche und offizielle Nachrichten, das gewöhnliche Leben und der Ausnahmezustand des Krieges in den Timelines aufeinandertreffen.
Doch auch Deutschland ist im Krieg. So steht es zumindest eines sonnigen Tages in der Zeitung. Terror, Flüchtlinge, sozialer Abstieg – wovor fürchten sich die Menschen in einem Land, das seit über 70 Jahren im Frieden lebt? Der Fotograf Armin Smailovic und der Autor Dirk Gieselmann haben sich für ihren “Atlas der Angst” auf eine Reise durch ein verunsichertes Deutschland begeben.

GAF – Galerie für Fotografie 
Seilerstraße 15 d
30171 Hannover

Das Symposium                                                                                 
Parallel zur Ausstellung findet am 17. und 18. Mai 2017 ein Symposium mit zahlreichen international renommierten Gästen statt. Vortragende sind u.a.: Adam Broomberg & Oliver Chanarin, Emma Daly, Santiago Lyon, Stephen Mayes, Geert van Kesteren, Donovan Wylie sowie einige der ausstellenden Fotografinnen und Fotografen sowie Künstlerinnen und Künstler.
Die Ausstellung und das Symposium bilden den Auftakt zu einer jährlichen Reihe mit dem Titel „Image Matters“, die der Studiengang „Fotojournalismus und Dokumentarfotografie“ der Hochschule Hannover als eine Diskursplattform initiiert, die Fragestellungen aus der fotografischen Bildpraxis und Diskurse der Bild- und Fototheorie sowie der Visual und Cultural Studies in einen Dialog bringen soll. Der Eintritt ist frei.

Hörsaal im Design Center
Expo Plaza 2
30539 Hannover