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Dienstag, 20. Dezember 2016

UNICEF-Foto des Jahres 2016 Die Verteidigung des Lächelns Siegerfoto des internationalen Fotowettbewerbs zeigt die Widerstandskraft von Kindern

UNICEF zeichnet den iranischen Fotografen Arez Ghaderi für sein Porträt eines lächelnden Nomadenmädchens mit dem ersten Preis des Wettbewerbs „UNICEF-Foto des Jahres 2016“ aus. Das strahlende Lächeln des Mädchens macht das Foto zu einem Symbol für die Widerstandskraft, mit der Kinder immer wieder selbst schwierigsten Lebensumständen ihr Recht auf Unbeschwertheit entgegensetzen. Den zweiten Preis gewinnt der in Köln lebende Fotojournalist Ali Nouraldin für eine Momentaufnahme im Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Er hält eine Stunde der Verzauberung fest, in der Kinder in einem Behelfskino unter nächtlichem Himmel gebannt einen Film verfolgen. Der dritte Preis geht an den syrischen Fotografen Mohammed Badra. Sein Foto zeigt zwei festlich gekleidete Mädchen vor einer mit Einschüssen übersäten Wand in der umkämpften syrischen Stadt Duma, nahe Damaskus.

Arez Ghaderi hat einen Moment des „Trotzdem“ eingefangen“, sagte die aus dem Iran stammende und in Deutschland aufgewachsene Schauspielerin Jasmin Tabatabai bei der Preisverleihung in Berlin. „In unserer Welt voller Katastrophen vermittelt sein Foto die Hoffnung, dass selbst elende Lebensumstände die Fröhlichkeit und spielerische Leichtigkeit von Kindern nicht völlig zerstören können."

Armut kann nicht glücklich machen. Nirgendwo. Aber im UNICEF-Foto des Jahres 2016 offenbart sich ein Kinderrecht: das Recht, manchmal einfach unbeschwert zu sein“, sagte Peter-Matthias Gaede, Vorstandsmitglied von UNICEF Deutschland.

„Die Bilder und Reportagen des Wettbewerbs belegen die Offenheit und Beobachtungskraft, mit der sich Fotojournalisten auf die Welt der Kinder einlassen“, sagte Prof. Rolf Nobel, Vorsitzender der Jury unabhängiger Fotoexperten. „Statt unsere medial erzeugten Erwartungen mit spektakulären Bildern zu bedienen, erzeugen sie Einfühlung und Verstehen.“

Das Siegerbild: Die Verteidigung des Lächelns

Ein tapferes Lächeln, vielleicht sogar ein Augenblick wirklicher Freude. Es ist diese Widerstandskraft, diese Strahlkraft eines Mädchens auf einer Müllhalde im Iran, die das Bild des im Westen weithin unbekannten Fotografen Arez Ghaderi zu einem Symbolbild macht. Zum Ausdruck einer manchmal auch verzweifelten Hoffnung. Der 27 Jahre alte Iraner, als freier Fotograf arbeitend, hat das Mädchen in einer provisorischen Zeltstadt irgendwo in der Razavi-Khorasan Provinz getroffen. Belutschen-Familien aus der Grenzregion zu Afghanistan und Pakistan haben sich hierher aufgemacht auf der Suche nach neuen Chancen. Während die Erwachsenen in nahen Dörfern nach Arbeit suchen, streunen die Kinder über Plastikberge, um aus ihnen herauszuklauben, was noch nutzbar sein könnte. Eine Kindheit, wie wir sie kennen, haben diese Mädchen und Jungen nicht. Aber sie spielen – und verteidigen ihr Lächeln gegen die erdrückende Macht von Armut und Not.

Im Iran gelang es in den letzten 25 Jahren die Kindersterblichkeit von 54 auf 16 Todesfälle pro tausend Neugeborene zu senken. Die Alphabetisierungsrate stieg von 54 auf 85 Prozent. Aber ähnlich wie in anderen Schwellenländern haben hier viele Kinder eine sehr harte Kindheit.

2. Preis: Stunde der Verzauberung

Es ist Nacht angebrochen in Idomeni. Eine Nacht zwischen weiteren Tagen des Wartens, der Bewegungslosigkeit, der Ungewissheit. Über 12.000 Flüchtlinge, meist aus Syrien und in der Mehrzahl Kinder und Jugendliche, harrten im Frühjahr 2016 hier an der griechisch-mazedonischen Grenze aus; gestoppt auf ihrem Weg nach Deutschland, von dem viele träumen. Freiwillige Helfer haben ein Behelfskino unter freiem Himmel aufgebaut, um sie aus der Lagerrealität zu entführen und ihre Gedanken verreisen zu lassen. Der 1985 im Gaza-Streifen geborene, gegenwärtig in Köln lebende und für internationale Medien arbeitende Fotojournalist Ali Nouraldin, hat diese Stunde der Verzauberung während eines längeren Aufenthalts in Idomeni eingefangen. Besonders berührt haben ihn die ebenso bangen wie hoffnungsvollen Fragen, die ihm immer wieder von den Flüchtlingen gestellt wurden. So griff ein kleines Kind nach seiner Hand und ließ sich erwartungsvoll von den Schulen in Deutschland erzählen.

3. Preis: Die Kinder, die aushalten müssen

Duma, die neuntgrößte Stadt Syriens, nicht weit von Damaskus. Eine Stadt im Krieg, voller apokalyptischer Szenen, voller Begegnungen mit Blut, Schmerz und Tod. Auch für die Kinder. Der in Duma geborene und für die Agentur epa arbeitende Fotojournalist Mohammed Badra hat ursprünglich Architektur studiert. Doch der Krieg wandelte ihn: Er wurde zum Zeugen der Ereignisse, er leistete erste Hilfe für den Roten Halbmond, die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes und engagierte sich in der psychologischen Betreuung von Opfern des Bürgerkriegs. Badras Bild der beiden festlich gekleideten Kinder, der feste Blick des Mädchens in Weiß, der unruhige Blick des Mädchens in Rot, die mit Einschusslöchern übersäte Wand – ein fast surrealer Moment im Waffengetöse. Wovon auch seine Aufnahmen unterirdischer Spielplätze zeugen. Laut UNICEF leben in Syrien derzeit über eine halbe Million Kinder in belagerten Städten.

Sieben weitere Reportagen hob die Jury mit ehrenvollen Erwähnungen hervor
·         Yahya Arhab, Jemen (epa, european pressphoto agency), Reportage: Die, die gar nicht vergessen können (Jemen)
·         Laura Boushnak, (Frankreich), (Rawiya Collective), Reportage: Weshalb Mohammed das Schwimmen so liebt (Libanon)
·         Mauricio Lima, Brasilien (für New York Times), Reportage: Ankommen, endlich ankommen! (Europa)
·         Kirsty Mackay, Großbritannien (Institute), Reportage: Ist etwas schlimm an Rosarot? (Großbritannien)
·         Alex Masi, Italien (freier Fotograf), Reportage: Und sie sollen Krieger werden (Ukraine)
·         Jordi Pizarro, Spanien (freier Fotograf), Reportage: Gutes kommt zusammen (Indien)
·         Benedikt Ziegler, Deutschland (Student MA der Fotografie, Hochschule Dortmund), Reportage: Wenn eine „Altenkrankheit“ schon Kinder martert (Deutschland)
Seit seiner Gründung vor 70 Jahren, am 11. Dezember 1946, haben Fotografen die Arbeit von UNICEF begleitet und mit ihren Reportagen und Bildern auf die Situation der Kinder aufmerksam gemacht. Der internationale Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ wurde im Jahr 2000 von UNICEF Deutschland ins Leben gerufen. Jedes Jahr werden seither Bilder und Reportagen professioneller Fotojournalisten prämiert, die die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren.

 Detaillierte Informationen zu allen Reportagen und dem Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ finden Sie auf www.unicef.de/foto

ROG: Konfliktparteien in Aleppo müssen Schutz von Journalisten gewährleisten

Reporter ohne Grenzen ist besorgt über die Sicherheit von Journalisten in der syrischen Stadt Aleppo. Unter den Zehntausenden Zivilisten, die in Ost-Aleppo bei Minusgraden ausharren, waren Ende vergangener Woche nach ROG-Informationen auch mehrere Dutzende Medienschaffende. Der Großteil von ihnen sind Bürgerjournalisten, die über soziale Medien aus den umkämpften Gebieten berichten.

„Die mutigen Bürgerjournalisten in Ost-Aleppo versorgen die syrische Bevölkerung und die Weltöffentlichkeit seit Monaten mit den einzigen unabhängigen Informationen über die verheerende Situation in der Stadt. Ohne sie könnten wir uns kein verlässliches Bild von der Lage vor Ort machen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Unter der Genfer Konvention sind die Konfliktparteien verpflichtet, Medienschaffende zu schützen – das gilt sowohl für Journalisten, die in Aleppo bleiben wollen, als auch für diejenigen, die das Gebiet verlassen möchten.“

In den vergangenen Wochen haben Bürgerjournalisten Videos auf Facebook und Twitter gepostet, um über die Lage zu informieren. Dazu gehören etwa Omar Al-Arab (http://t1p.de/xfl0) und Salah Al-Ashkar (http://t1p.de/kp2c). Der Journalist Zouhir Al-Shimale sprach mit ROG vergangenen Donnerstag darüber, wie schwer es sei, in den belagerten Gebieten zu leben und über die Situation zu berichten (http://t1p.de/vo86).

Die Journalisten arbeiten zum Teil auch für internationale Medien. Der freie Journalist Hadi Abdullah berichtete unter anderem für Al-Jazeera. Er wurde von ROG als Journalist des Jahres 2016 ausgezeichnet (http://t1p.de/h5j9). Abdullah hat sich in gefährliche, von seinen meisten Kollegen gemiedene Gebiete in Syrien gewagt. Dabei ist der 29-Jährige mehrmals knapp dem Tod entgangen. Der Journalist Zouhir Al-Shimale hat für die Wochenzeitschrift Die Zeit aus Aleppo berichtet.

GEFÄHRLICHSTES LAND FÜR JOURNALISTEN WELTWEIT

Der jahrelange Krieg hat Syrien zum weltweit gefährlichsten Land für Journalisten gemacht, wie aus der am Montag veröffentlichten Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016 hervorgeht (http://t1p.de/5x49). Reporter riskieren für die Arbeit vor Ort ihr Leben. Sie können jederzeit Opfer von Luftangriffen oder Artilleriebeschuss werden, von Sicherheitskräften des Regimes festgenommen oder von Dschihadisten entführt werden.

Seit dem Jahr 2011 sind in Syrien mindestens 62 Journalisten sowie 152 Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter getötet worden (http://t1p.de/vo86). Allein dieses Jahr wurden dort mindestens elf professionelle Journalisten und acht Bürgerjournalisten im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit getötet. Mindestens 28 Medienschaffende sitzen wegen ihrer Arbeit in den Gefängnissen der Regierung. Momentan steht das Nothilfe-Referat von Reporter ohne Grenzen in Berlin mit rund 20 syrischen Medienschaffenden in Kontakt.

Die Anzahl ausländischer Journalisten wurde in den vergangenen Jahren aufgrund der Schwierigkeiten, ein Visum zu bekommen und sich frei zu bewegen, immer weniger. Am vergangenen Donnerstag musste die schwedische Journalistin Cecilia Uddén Syrien verlassen (http://t1p.de/q8tl). Die Regierung hatte der Korrespondentin von Radio Schweden wegen „falscher“ Berichterstattung das Journalistenvisum entzogen. Uddén hatte aus Aleppo und Damaskus berichtet.

Reporter ohne Grenzen unterstützt die Klage der Hinterbliebenen der US-Kriegsreporterin Marie Colvin (http://t1p.de/kih0). Sie war im Februar 2012 in Syrien getötet worden. Mit Hilfe von Informationen hochrangiger Überläufer und von syrischen Regierungsdokumenten zeigt ihre Klage detailliert die direkte Verantwortung hochrangiger Regimevertreter für die gezielte Ermordung der Journalistin. Der tödliche Granatenangriff auf ein Untergrund-Medienzentrum in der belagerten Stadt Homs am 22. Februar 2012 war demnach Teil der Strategie des Assad-Regimes, unabhängige Journalisten auszuschalten, um ohne störende internationale Aufmerksamkeit gegen die Zivilbevölkerung vorgehen zu können.

In einigen Gebieten Syriens riskieren ausländische Journalisten zudem, von bewaffneten Gruppen entführt zu werden. Vor allem die Dschihadisten des „Islamischen Staats“ (IS) entführen Journalisten, um Kritiker zum Schweigen zu bringen, ihre Terrorherrschaft durchzusetzen und Lösegelder zur Finanzierung ihrer Kriegsmaschinerie einzutreiben.

Auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit steht Syrien auf Platz 177 von 180 Staaten. Weitere Informationen über die Lage der Journalisten vor Ort finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/syrien.


(Diese Meldung auf der ROG-Webseite: http://t1p.de/yhgs)