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Montag, 21. März 2016

ICH – THEMENAUSSTELLUNG ZUM ZEITGENÖSSISCHEN SELBSTPORTRÄT

Das traditionelle Selbstporträt ist heute Geschichte. Im Facebook-Zeitalter ist die Selbstdarstellung zum Tool für jedermann geworden. Früher malte sich nur der Künstler vor dem Spiegel.
 
Was erwartet man also von einem Bild, das ein Selbstporträt sein soll? In der Themenausstellung folgt die SCHIRN Künstlerinnen und Künstlern auf ihrer Suche nach einer zeitgemäßen Form der Selbstdarstellung.
 
Bis 29. Mai 2016

 Birgit Jürgenssen, Jeder hat seine eigene Ansicht, 1975, S/W Fotografie auf Barytpapier, 40 x 30 cm, Bank Austria Kunstsammlung, Wien © VG Bild-Kunst, Bonn 2016


In der Themen­aus­stel­lung „ICH“ zeigt die Schirn Kunst­halle Frank­furt Selbst­por­träts zeit­ge­nös­si­scher Künst­le­rin­nen und Künst­ler. Zu sehen sind 40 inter­na­tio­nale Posi­tio­nen aus Male­rei, Foto­gra­fie, Video, Skulp­tur und Perfor­mance, unter ande­rem von John Bock, Eber­hard Havekost, Alicja Kwade, Mark Leckey, Nam June Paik, Pamela Rosen­kranz, Rose­ma­rie Trockel und Erwin Wurm.

Was erwar­tet man von einem Bild, das ein Selbst­por­trät sein soll? Die Bestand­teile sind eigent­lich über Jahr­hun­derte erprobt: Die Künst­le­rin­nen oder Künst­ler erfor­schen ihre Gesich­ter im Spie­gel und setzen diese Erfah­rung ins Bild. Die Moderne brachte unzäh­lige Selbst­dar­stel­ler hervor und versprach sich von ihnen nicht selten das nackte Selbst­be­kennt­nis. 

Und heute? Künst­le­rin­nen und Künst­ler halten dem Betrach­ter nicht länger ihr Gesicht vor Augen. Sie lassen die Selbst­ent­hül­lung hinter sich, entzie­hen sich dem Blick und gehen auf Umwege – und auch auf Distanz zum eige­nen Ich.

Friederike Pezold, Brustwerk, 1973, Silbergelatine-Abzug, 65 x 100 cm, Bank Austria Kunstsammlung, Wien

Oft wissen wir nur, dass es sich um Selbst­dar­stel­lun­gen handelt, weil uns das der Titel verrät: Imi Knoe­bel präsen­tiert eine Ansamm­lung von Uten­si­lien als Selbst­por­trät mit Papp­kar­ton, Gabriel Kuri eine Kombi­na­tion aus Isolier­fo­lie und einer Muschel. Abra­ham Cruz­vil­legas macht persön­li­che Doku­mente durch Über­ma­lung unles­bar und nennt das „blin­des Selbst­por­trät“, während Ryan Gander statt gemal­ter Bild­nisse die angeb­lich dafür verwen­de­ten Farb­pa­let­ten präsen­tiert. Günther Förg schrei­tet kopf­los eine Treppe hinab, Wolf­gang Till­mans zeigt nur sein Knie und Pawel Altha­mer seine Klei­der.

 Michael Sailstor­fer schreibt seinen Namen in großen Lettern, Sarah Lucas tritt dem Betrach­ter beinahe ins Gesicht, und Florian Meisen­berg lässt ihn per Smart­phone-Livestream an seinem Leben teil­ha­ben. Ironisch, spie­le­risch und dekon­struk­tiv sind diese Selbst­por­träts von heute. 

Die Zeiten, in denen sich der Künst­ler ohne Ironie ins Zentrum des Bildes setzen konnte, sind offen­sicht­lich vorbei. Nicht zuletzt haben sich auch die Rahmen­be­din­gun­gen einer solchen Bild­pro­duk­tion erdrutsch­ar­tig verän­dert. Erst­mals in seiner langen Tradi­tion ist das Selbst­por­trät heute als Kultur­tech­nik im Alltag verbrei­tet und jedem zugäng­lich. 

Jun Ahn, Self-Portrait (Seoul), 2008/2014, Archivarischer Pigmentdruck, 101,6 x 76,2 © Jun Ahn, Courtesy Christophe Guye Galerie

Es ist damit als exklu­si­ves Produkt künst­le­ri­scher Subjek­ti­vi­tät Geschichte. Selbst­bild­nis ohne Selbst, Porträt ohne Gesicht, Krise der Reprä­sen­ta­tion – das Selbst­por­trät hat sich von der Illu­sion der Reali­tät verab­schie­det. Ähnlich­keit wird gemie­den, das Äußere wird verbor­gen. Die Ausstel­lung „ICH“ folgt den Bilder­stür­mern des Ich auf ihrer Suche nach einer zeit­ge­mä­ßen Form der Selbst­dar­stel­lung. 

Zu sehen sind 40 inter­na­tio­nale Posi­tio­nen aus Male­rei, Foto­gra­fie, Video, Skulp­tur und Perfor­mance, unter ande­rem von John Bock, Eber­hard Havekost, Alicja Kwade, Mark Leckey, Nam June Paik, Pamela Rosen­kranz, Rose­ma­rie Trockel und Erwin Wurm. 

 RÖMERBERG 60311 FRANKFURT AM MAIN WWW. SCHIRN. DE WELCOME@ SCHIRN. DE
DIENSTAG, FREITAG–SONNTAG 10–19 UHR, MITTWOCH UND DONNERSTAG 10–22 UHR

1 Kommentar:

  1. KATALOG

    Der Ausstel­lungs­ka­ta­log "ICH" führt die ikonok­las­ti­schen Verfah­ren, die das Genre des Selbst­por­träts heute durch­läuft, umfas­send zusam­men und präsen­tiert Wege der künst­le­ri­schen Subver­sion: Witz, Ironie, Dezen­tra­li­sie­rung, Frag­men­tie­rung, Blind­heit und Versper­rung. Die Subjek­ti­vi­tät des Künst­lers ist dennoch, oder viel­leicht gerade deshalb, ein Leit­mo­tiv der zeit­ge­nös­si­schen Kunst geblie­ben, sie ist jedoch nicht mehr ausschließ­lich mit dem Abbild des Künst­lers verbun­den. Das Subjekt chan­giert, deshalb ist es schwer in einem Bild zu fassen.

    Dt./Engl. Ausgabe, 208 Seiten, ca. 100 Abbil­dun­gen, Preis: 29 € (SCHIRN Kasse), 34 € (Buch­han­del)

    http://www.schirn.de/ausstellungen/2016/ich/#katalog

    Beispiele:

    [1] „Ich komme nun langsam ikonoklastisch in Wallung, und deshalb wäre es überhaupt keine gute Idee, die Gemäldesammlung anzugucken.“[1]

    :-)

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