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Dienstag, 25. Juli 2017

Neue UNICEF-Studie: Was Jugendliche zur Flucht treibt

Neue UNICEF-Studie zu geflüchteten Jugendlichen in Italien und Griechenland
Eine neue UNICEF-Studie über die Fluchtursachen und Erfahrungen von geflüchteten oder migrierten Jugendlichen in Europa kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Über die Hälfte der befragten afrikanischen Jugendlichen gab nach der Ankunft in Italien an, dass Europa ursprünglich gar nicht ihr Ziel war. Die katastrophalen Bedingungen in Libyen haben sie häufig dazu gebracht, letzten Endes die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer zu wagen. Außerdem sind die Jugendlichen oft ohne Absprache oder das Wissen ihrer Familien aufgebrochen.
Für die Studie hat die Organisation „Reach“ im Auftrag von UNICEF die Situation von geflüchteten oder migrierten Kindern und Jugendlichen in Italien und Griechenland untersucht. Insgesamt wurden 850 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren interviewt. Das Bild ist in beiden Ländern sehr unterschiedlich: Während in Griechenland hauptsächlich Mädchen und Jungen mit ihren Familien aus Syrien, dem Irak und Afghanistan eintreffen, stammen Minderjährige in den Aufnahmezentren in Sizilien meist aus afrikanischen Ländern, sind männlich und allein unterwegs. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind rund 12.000 minderjährige Flüchtlinge in Italien angekommen, 93 Prozent von ihnen waren unbegleitet.
Mehr Push-Faktoren als Pull-Faktoren für Flucht aus Afrika
75 Prozent der in Italien befragten Jugendlichen haben nach eigener Aussage die Entscheidung, ihr Heimatland zu verlassen, alleine getroffen. Neben der schwierigen politischen Lage in der Heimat wurden fehlende Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, aber auch familiäre Probleme oder häusliche Gewalt als Gründe angegeben. Weniger als die Hälfte hatte ursprünglich vor, nach Europa zu gehen. Vielmehr suchten die Jugendlichen in der Regel zunächst in den Nachbarländern Schutz und neue Chancen und trafen die Entscheidung für die Weiterreise erst nach und nach.
„Bemerkenswert an dieser Studie ist: Sie legt zum ersten Mal dar, dass es deutlich mehr Push-Faktoren gibt als bisher bekannt, die Jugendliche aus ihrer Heimat vertreiben, und weniger Pull-Faktoren, die sie nach Europa locken“, sagte Afshan Khan, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien.
Traumatische Erfahrungen in Libyen
Geflüchtete und migrierte Jugendliche in Italien gaben einstimmig an, dass ihre Zeit in Libyen der schlimmste Teil ihrer Landroute war. Fast die Hälfte (47 Prozent) von ihnen berichtete, dass sie dort gekidnappt und festgehalten wurden, um Lösegeld zu erpressen. Rund jeder Vierte (23 Prozent) sagte, dass er willkürlich verhaftet und ohne Angabe von Gründen eingesperrt wurde. Die Mehrzahl der Jugendlichen in den Aufnahmezentren in Sizilien stammt aus einer Reihe von Ländern in Subsahara-Afrika. Manche kommen aber auch aus weit entfernten Herkunftsländenr wie Bangladesch.
„Diejenigen, die Europa als Ziel hatten, wurden von der Aussicht auf weiterführende Bildung, Respekt für ihre Rechte und den Wunsch, im Leben weiterzukommen, angetrieben. Allerdings sieht die Realität, wenn sie in Europa ankommen, leider ganz anders aus und ihre Erwartungen werden enttäuscht“, sagte Afshan Khan.
In Griechenland gab ein Drittel der Eltern oder Erziehungsberechtigten an, dass Bildung für ihre Kinder der Hauptgrund für die Flucht der Familie nach Europa war. Die Studie zeigt jedoch, dass lange Asylverfahren und Unwissen über ihre Rechte dazu führen, dass viele Jugendliche aus den Aufnahmesystemen in Italien und Griechenland fallen. Dadurch verlieren sie weitere Monate oder Jahre für Bildung und sie sind großen Gefahren durch Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt.
UNICEF hat einen Sechs-Punkte-Plan für geflüchtete und migrierte Kinder vorgelegt. 

Weitere Informationen finden Sie auf www.unicef.de

Dienstag, 18. Juli 2017

Podiumsdiskussion am 01.08. in Berlin: Medien in den russischen Regionen

Nischen in den Regionen?
Russische Medien und ihr Ringen um redaktionelle Unabhängigkeit

Das DokZentrum ansTageslicht.de, Reporter ohne Grenzen, die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Deutsch-Russische Forum laden ein zur

PODIUMSDISKUSSION
am Dienstag, 1. August 2017 um 19.30 Uhr
bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastraße 28 (Haus 2, 6. Etage, Saal 6.01), 10785 Berlin

In Russland dominiert das staatlich gelenkte Fernsehen die Berichterstattung, differenzierte und ausgewogene Stimmen hört man darin kaum. Kritische Beiträge über bestehende Probleme, Korruption oder Behördenversagen veröffentlichen Journalisten vor allem im Internet, doch auch dort schränkt der Staat die Freiheit mit neuen Gesetzen immer stärker ein. Wer die Verantwortlichen offen kritisiert, riskiert damit unter Umständen sein Leben. Die Täter werden nach Angriffen auf Journalisten nur selten gefasst und bestraft. Dennoch finden sich – von ausländischen Beobachtern oft wenig beachtet – in den russischen Regionen Nischen kritischer Berichterstattung, in denen Reporter unerschrocken über Umweltprobleme, kriminelle Geschäfte oder die Korruption lokaler Verwaltungen berichten.

Wie kann kritischer Journalismus in den russischen Regionen überhaupt funktionieren? Und wie lässt er sich finanzieren? Über welche Themen können Journalisten berichten, ohne dadurch sich selbst und ihre Familien in Gefahr zu bringen? Wer interessiert sich für unabhängige Berichte und wie reagieren die lokalen Autoritäten auf sie?

PODIUMSGÄSTE:

Irina Samochina, Geschäftsführerin des Verlags Krestjanin (Rostow)

Viktor Mutschnik, Chefredakteur von TV-2 (Tomsk)

Pawel Andrejew, Geschäftsführer des Onlineportals 7x7-journal.ru (Syktywkar, Republik Komi)

Tamina Kutscher, Chefredakteurin von dekoder.org (Berlin)

Moderation: Wolfgang Mühl-Benninghaus, Medienwissenschaftler (HU Berlin)

IRINA SAMOCHINA leitet den Verlag Krestjanin (Bauer) in Rostow am Don (www.krestianin.ru). Der größte unabhängige Verlag im Süden Russlands gibt drei Zeitungen und ein Magazin heraus. Nach ihrem Journalismus-Studium in Rostow arbeitete Samochina zunächst als Korrespondentin in dem 1991 von ihrem Vater gegründeten Verlag und baute danach dessen Werbe- und Marketingabteilung auf. Vor zehn Jahren übernahm sie die Geschäftsführung. Samochina ist Mitbegründerin des Verbandes unabhängiger Verleger (ANRI), in der sich russlandweit mehr als 60 unabhängige Verlagshäuser zusammengeschlossen haben.

VIKTOR MUTSCHNIK ist Chefredakteur des Nachrichtenportals TV-2 im sibirischen Tomsk. TV-2 war einer der ersten nichtstaatlichen Fernsehsender, die nach dem Ende der Sowjetunion gegründet wurden. 1994 wurde Mutschnik, der zuvor als Autor für TV-2 gearbeitet hatte, Chefredakteur des Senders. TV-2 erhielt für seine journalistischen Programme zahlreiche Preise und war auch im Ausland für seine kritische Berichterstattung bekannt. Anfang 2015 strichen die staatlichen Rundfunkanbieter und sämtliche Kabelnetze TV-2 aus dem Programm. Die Redaktion arbeitet seither im Internet unter tv2.today weiter.

PAWEL ANDREJEW ist Geschäftsführer des Onlineportals 7x7-journal.ru, auf dem seit 2010 sowohl professionelle Journalisten als auch Aktivisten und Blogger über zivilgesellschaftlich relevante Themen berichten. Unter dem Motto „Horizontales Russland“ will 7x7 Initiativen an unterschiedlichen Orten vernetzen und hat Ableger in weiteren Regionen Nordwestrusslands gegründet. Andrejew hat in Syktywkar Public Relations studiert und engagiert sich seit über zehn Jahren in der Menschenrechtsorganisation Memorial.

TAMINA KUTSCHER ist Chefredakteurin von dekoder.org. Die 2015 gegründete Plattform will „Russland entschlüsseln“, indem sie ins Deutsche übersetzte Artikel ausgewählter russischer Medien mit Erklärungen und Kommentaren von Wissenschaftlern vereint. Tamina Kutscher hat Slawistik in Regensburg, Kasan (Russland) und Berlin studiert. Von 2010 bis 2016 arbeitete sie als Redakteurin und Projektleiterin beim Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung n-ost in Berlin.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und auf Russisch statt und wird simultan gedolmetscht.

Nach der Diskussion besteht die Möglichkeit zu Gesprächen mit den Teilnehmern in informellem Rahmen.

Wir bitten um Anmeldung unter osteuropa@fes.de.

Samstag, 8. Juli 2017

Frankfurter Buchmesse 2017 - Ehrengast Frankreich Kinder an die Macht

Deutsche und französische Kinder und Jugendliche werden in diesem Jahr bei der Programmgestaltung eine überraschende Rolle spielen.



Das Kinder- und Jugendbuch ist eine der tragenden Säulen des französischen Ehrengast-Auftritts. Bei seinem Kinder- und Jugendbuchprogramm lässt Ehrengast Frankreich die Zielgruppe mitreden und vor allem mitgestalten. Wie das in der Umsetzung aussehen wird, verrät Sylvie Vassallo, Kuratorin für das französische Kinder- und Jugendbuchprogramm.

fbm: Frau Vassallo, wie präsentiert sich das französische Kinder- und Jugendbuch auf der Frankfurter Buchmesse?

Sylvie Vassallo: Wir wollen, dass auch das junge deutsche Publikum etwas von der Messe hat, von den Büchern und den eingeladenen Künstlern. Dafür laden wir alle ein mitzumachen, und mit dem Lycée Francais Victor Hugo Gymnasium zusammenzuwirken, dessen Schüler selbst die Begegnungen der eingeladenen Kinder- und Jugendbuchautoren moderieren sollen.
Die französischsprachige Kinder- und Jugendliteratur wird dabei interaktiv und spielerisch in Szene gesetzt. Bei dem Programm übernehmen Kinder und Jugendliche eine wesentliche Rolle und werden aktiv an der Präsentation des Besten, was das französisch-sprachige Kinder- und Jugendbuch zu bieten hat, mitwirken. Wir arbeiten da mit Lycée Francais Victor Hugo Gymnasium zusammen, damit die Schüler die Gespräche und Begegnungen auf der kleinen Bühne selbst moderieren können. Sie werden selbst auf der Bühne die Autoren befragen und die Diskussionen leiten, in die natürlich das Publikum einbezogen wird!

Die große Ausstellung ist so konzipiert, dass sie auf vielfältige Art und Weise entdeckt werden kann (durch Führungen, aber auch in spielerischen und interaktiven Entdeckungsinstallationen mit Powerpoint-Vorlagen und Musik-Apps). Das junge Publikum kann so direkt mit der französischsprachigen Kinder- und Jugendliteratur experimentieren. Sie offenbart sich in direktem Kontakt.
Schließlich ist die Webserie Miroirs ein weiteres Beispiel, wie wir die Kinder- und Jugendliteratur ihrem jungen Publikum näherbringen wollen. Hier werden sowohl Erwachsenenautoren als auch junge Leser portraitiert. Die Besucher der Ausstellung können sich aussuchen, welches Portrait sie entdecken möchten.

fbm: Können Sie uns schon einen etwas detaillierteren Überblick über das vorgesehene Programm in Frankfurt geben?

Sylvie Vassallo: Außer der großen Ausstellung, wo es Führungen und virtuelle Workshops gibt, findet auf der Kleinen Bühne im französischen Pavillon ein Programm mit verschiedenen Begegnungen statt. Dieses Programm soll vor allem die Verschiedenartigkeit und Besonderheit der französischsprachigen Kinder- und Jugendliteratur zeigen und dabei die literarischen Welten und Genres miteinander in Beziehung setzen:
  1. Autorenduos
Die ganze Messe über wird es gemischte Begegnungen mit Kinder- und Jugendbuch- und Comicautoren und grundsätzlich Literaten rund um allgemeine Themen geben. Diese Begegnungen werden von Schülern des Lycée Francais Victor Hugo Gymnasiums moderiert.
  1. Masterklassen
Die Autoren erzählen, wie der schöpferische Vorgang abläuft, unterstützt von Bildern und Illustrationen. Welche kreativen Techniken benutzen sie? Was sind die Besonderheiten ihrer Werke? Die Autoren geben ihre Geheimnisse preis.
  1. Übersetzerworkshops
Fokus auf ein Werk und die Herausforderungen seiner Übersetzung ins Deutsche oder Englische anhand von vorher von den Schülern des französischen Gymnasiums vorbereiteten Textausschnitten. Wie kann man die Besonderheit eines Textes in eine andere Sprache übertragen? Welcher Platz bleibt für Subjektivität bei einer Übersetzung? Die Schüler diskutieren ihre Übersetzungen mit dem Autor des Originaltextes. 

fbm: Können Sie uns auch etwas über die Ausstellung der Illustrationen des Alphabets erzählen, dessen 26 Buchstaben Sie am 27. März 26 Illustratoren zugelost haben? Sind diese Illustratoren auch nach Frankfurt eingeladen?

Sylvie Vassallo: ABCD, l’esprit de la lettre (ABC, der Geist der Buchstaben) ist ein Projekt, bei dem die Autoren Ramona Bădescu und Emmanuel Guibert für jeden Buchstaben des Alphabets zehn Wörter ausgewählt haben. Diese werden von 26 begabten IllustratorInnen – wahrhaften BotschafterInnen der graphischen Vielfalt der französischsprachigen Szene – inszeniert und in Bilder umgesetzt. Sie haben die freie Wahl, mit den, jedoch sehr eingeschränkten, Codes eines der ältesten Genres des Bilderbuchs zu spielen und bieten gemeinsam eine vergnügte und einzigartige Erzählung, ein einmaliges Panorama der zeitgenössischen Kinder- und Jugendillustration.
Die große Ausstellung zur französischsprachigen Kinder- und Jugendliteratur, die wir in Frankfurt vorstellen, besteht aus drei Abteilungen. Jede davon setzt eine Besonderheit des Genres in Szene:
  1. Dem Bilderbuch widmet sich das große gemeinsam erschaffene Alphabet.
  2. Auf die Literatur für Erwachsene und Heranwachsende setzt die Produktion der bis dahin unveröffentlichten Webserie Miroirs ihren Fokus.
  3. Außergewöhnliche Buchformen (Leporello, Spielbuch, Pop-up usw.) können in der Bibliobox entdeckt werden. Diese bietet Kindern die Möglichkeit, Bücher auf innovative, spielerische und sensorische Art zu erkunden. Die Hände in den Kasten versenkt, mit einer 3D-Brille auf der Nase – so können die jungen LeserInnen die speziell für „Francfort en français/Frankfurt auf Französisch“ ausgewählten Werke mit den Händen erfassen, berühren, in 3D und als Zeichentrick erforschen.

Erfahren Sie mehr über den Ehrengast Frankreich und das Kinder- und Jugendbuchprogramm unter www.francfort2017.com

https://countdown.buchmesse.de/de/aktuelle-ausgaben/stories-2017/kinder-an-die-macht/

Mittwoch, 5. Juli 2017

Stipendium für Journalisten aus Kriegs- und Krisengebieten

Das Auszeit-Stipendium ist das gemeinsame Projekt von Reporter ohne Grenzen und der taz Panter Stiftung, einer gemeinnützigen Organisation, die mit der Berliner Zeitung „die tageszeitung“ (taz) verbunden ist.

Wir laden zwei Journalisten aus Kriegs- und Krisengebieten ein, für eine begrenzte Zeit in Berlin zu bleiben. Wir bieten ihnen Zuflucht und Ruhe für bis zu drei Monate. Das erste Stipendium wird von September – November 2017 vergeben, das zweite von März - Mai  2018.

Wer kann sich bewerben?

+ Journalisten die eine Auszeit benötigen. Dies kann z.B. der Fall nach Berichterstattungen aus einem repressiven Umfeld heraus sein oder nach einer Arbeit in Kriegs- oder in Unruhegebieten.
+ Journalisten die aufgrund ihrer Arbeit für eine Zeit aus dem Fokus staatlicher Sicherheitsorgane genommen werden müssen.

Was wir anbieten:

Wir erstatten Reisekosten, stellen ein angenehmes Apartment, sorgen für Taschengeld und eine  kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin für bis zu drei Monate. Teilnehmer/Innen können sich, wenn sie wollen, komplett aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und die Zeit zum Schreiben oder Denken nutzen. Vielleicht möchten sie auch das politische Leben in Berlin erkunden. Natürlich werden wir bei allem behilflich sein.

Voraussetzungen:

Teilnehmer/Innen sollten in der Lage sein, in einfachem Englisch oder Deutsch zu kommunizieren. Sie sollten ferner ausreichende Arbeitserfahrungen als Journalisten vorweisen können. Darüber hinaus sollte die Absicht vorliegen, nach einer dreimonatigen Aufenthaltszeit in ihr Herkunftsland zurückzukehren.

Bewerbungen:

Bitte senden Sie das ausgefüllte Bewerbungsformular (http://t1p.de/h0sg, Word-Dokument) und die anderen angefragten Dokumente bis zum 31. Juli an: auszeit@reporter-ohne-grenzen.de

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SCHOLARSHIP FOR JOURNALISTS FROM COUNTRIES IN CRISIS OR AT WAR


(This invitation on RSF Germany’s website: www.reporter-ohne-grenzen.de/hilfe-schutz/auszeit-stipendium/#english )

05. July 2017 – Rest and Refuge Scholarship is a project run by Reporters Without Borders Germany and taz Panter Foundation, a non-profit organization linked to „die tageszeitung“ (taz), the daily newspaper from Berlin.

We invite two journalists from countries in crisis or war to stay in Berlin. We offer them a time of refuge and rest up to three months. (The first journalist will be invited from September to November 2017, the second from March to May 2018).

Who can apply?

+ Journalists who need a time out from their difficult working conditions. This might be the case after covering stories in an oppressive environment or after covering stories in war or unrest.
+ Journalists who feel the need to lie low awhile and get out of the view of state security because of their journalistic work.

What we offer

We offer travel expenses, a decent apartment, pocket money and free transportation in Berlin for up to three months. Participants may completely withdraw from public life, use the time for writing or thinking, or they may want to explore political life in Berlin. Off course we would be of help in that.

Conditions

Participants have to be able to communicate in basic English or in German. Participants should have a relevant working-experience as journalists. They must have the intention to return to their country after three months.

How to apply

Please use the application form (http://t1p.de/h0sg, Word document) and send the other requested documents to: auszeit@reporter-ohne-grenzen.de. The deadline for applications is 31 July 2017.


Dienstag, 27. Juni 2017

Ehrengastauftritt Frankreich: „Öffnung hin zu einem Europa der Gastfreundschaft“ - Ehrengastpräsentation im Zeichen der Vielstimmigkeit

134 Autoren und Künstler aus Frankreich, der französischen Schweiz, Belgien, Luxemburg, Kanada sowie aus Afrika, Asien und dem Maghreb werden ihre Werke auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen. Wajdi Mouawad wird als literarischer Redner zur Eröffnung der Buchmesse (Dienstag, 10. Oktober 2017) erwartet. Wajdi Mouawad ist Autor, Schauspieler und Dramaturg libanesischer Herkunft und aktuell Direktor des Théâtre national de la Colline in Paris. Er repräsentiert den Ehrengastauftritt in optimaler Weise durch seinen Werdegang und seine Art, mit Sprache in ihrer ganzen Vielfalt umzugehen. Der Ehrengastauftritt wird von einer beeindruckenden Anzahl von Übersetzungen begleitet: 130 deutschsprachige Verlage übertragen 473 Romane, Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher und Graphic Novels ins Deutsche (Stand Juni 2017).

„Mit weit mehr als hundert französischsprachigen Autoren, die auf der Frankfurter Buchmesse anwesend sein werden, und hunderten Kulturveranstaltungen inner- und außerhalb der Buchmesse, steht „Francfort en français“ als Symbol eines neuen Aufschwungs zwischen Frankreich und Deutschland und vermittelt eine sehr starke Öffnung in Richtung eines Europas der Gastfreundschaft“, sagte Paul de Sinety, Vorsitzender des Ehrengastauftritts.

„In einer Zeit, in der Europa politisch zunehmend unter Druck gerät und in dessen Bevölkerung wir tiefe Risse beobachten, festigt der Auftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Gleichzeitig entsteht hier ein lebendiger kultureller Raum, der weit über geographische Grenzen hinausweist. In wenigen Wochen werden wir in Frankfurt Autoren erleben, die sich mit ihrer (Wahl-)Heimat auseinandersetzen, das Bild Frankreichs in der Welt hinterfragen und neu erfinden, mit Vorurteilen und Klischees aufräumen. Und dies unabhängig davon, ob sie nun in Frankreich geboren sind oder aus beruflichen, politischen oder persönlichen Gründen das Französische als ‚langue de préférence‘ angenommen haben“, so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, auf der Pressekonferenz.

Ehrengastpräsentation: Experimentierraum der Vielstimmigkeit

Im Zentrum des Gastlandauftritts steht die Ehrengastpräsentation. Auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern entsteht im Forum, Ebene 1, ein dreidimensionales Gesamtkunstwerk, an dem die große Vielfalt der frankophonen Literatur erfahrbar wird. „Der Pavillon ist konzipiert als Raum für Ausstellungen, Diskussionsrunden und Begegnungen mit Autoren. Er ist eine Bibliothek, welche die Vielfalt der französischsprachigen Literatur beherbergt. Gleichzeitig verleiht ihm ein Tragwerk aus Holzleisten die Anmutung eines Baugerüsts, das den Prozess des Entstehens und des Werdens symbolisiert. Schließlich soll der Pavillon aber auch Orientierung bieten. Im Zeichen der Gastfreundschaft und des Austauschs wird die Ehrengastpräsentation der lebendigen und grenzenlosen französischsprachigen Literatur eine Bühne bereiten“, sagte Ruedi Baur, der Künstlerische Leiter des Ehrengastauftritts. Im Pavillon werden mehrere Ausstellungen präsentiert, darunter eine Auswahl belgisch-französischer Graphic Novels und eine Darstellung der über 200-jährigen französischen Verlagsgeschichte.

Im Pavillon lässt sich anhand einer Nachbildung der berühmten Gutenberg-Presse die Geschichte des Buchdrucks erforschen. Die Gestaltung der Ehrengastpräsentation entsteht nach einem Entwurf der Hochschuldozenten Denis Coueignoux und Éric Jourdan in Zusammenarbeit mit den Studierenden der Hochschule für Kunst und Design Saint-Etienne und mit Unterstützung der Stadt Saint-Etienne.

Ehrengastprogramm in Frankfurt

Kulturfreunde können im Oktober in der gesamten Stadt Frankfurt französischsprachige Autoren und Künstler entdecken. Am Sonntag, 8. Oktober 2017 finden sich Schriftsteller, Historiker und Philosophen zur Veranstaltung „Je vous écris d’Europe“ ein, bei der erörtert wird, was man über Europa schreibt, denkt, erinnert und vergisst. Im Schauspiel Frankfurt werden unter anderem Michel Houellebecq und Yasmina Reza auftreten. Weitere Lesungen und Diskussionen mit französischen Intellektuellen finden in der Romanfabrik, im Literaturhaus Frankfurt und in der Goethe-Universität statt.

 Das Französische Kulturjahr
Der Ehrengastauftritt Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse (11.–15. Oktober 2017) bildet den Höhepunkt eines französischen Kulturjahrs in ganz Deutschland mit einem vielfältigen und spartenübergreifenden Programm, das gemeinsam mit dem Institut français Deutschland umgesetzt wird. Mehr als 300 Veranstaltungen finden 2017 unter dem Label „Frankfurt auf Französisch“ bundesweit statt: Theater, aktuelle Musik, Bildende Kunst, Kino, Literaturbegegnungen und vieles mehr mit 250 beteiligten KünstlerInnen und französischsprachigen AutorInnen.

Über die Frankfurter Buchmesse
Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7.150 Ausstellern aus 106 Ländern, rund 278.000 Besuchern, über 4.000 Veranstaltungen und rund 10.000 akkreditierten Journalisten, davon 2.400 Blogger, die größte Fachmesse für das internationale Publishing. Darüber hinaus ist sie ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus der Filmwirtschaft und der Gamesbranche. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an rund 20 internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Mit der Gründung des Frankfurter Buchmesse Business Clubs bietet die Frankfurter Buchmesse Unternehmern, Verlegern, Gründern, Vordenkern, Experten und Visionären ideale Voraussetzungen für ihr Geschäft. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Und der n-ost-Reportagepreis 2017 geht an ...

Mit dem n-ost-Reportagepreis 2017 zeichnet n-ost zum elften Mal herausragende, hintergründige Geschichten aus Osteuropa aus, die im Vorjahr in deutschsprachigen Medien erschienen sind. Der Preis wird in den drei Kategorien Text, Radio und Foto je ein Mal vergeben und ist mit jeweils 2.000 Euro dotiert.

Preisverleihung

Wer die diesjährigen Gewinner sind, erfahren Sie
am Donnerstag, 29. Juni 2017, um 20 Uhr
im Grünen Salon der Volksbühne Berlin (U2 Rosa-Luxemburg-Platz).
Der Eintritt ist frei. Wir bitten um Anmeldung unter reportagepreis@n-ost.org.

Im Mittelpunkt der Preisverleihung stehen die nominierten Reportagen und ihre Autoren.
Die Schauspielerin Dorothee Krüger liest Auszüge aus den drei Textreportagen der Endrunde: über den russischen Aktionskünstler Pjotr Pawlenski, stolze Fußballfans in Albanien und 71 Tote, die zum Symbol der Flüchtlingskrise wurden.
Sie hören Ausschnitte aus drei Radiofeatures: zum Traum zweier Abenteurer von einem neuen Griechenland, dem erzwungenen Neuanfang eines Berliners im Kosovo und der Lebenswirklichkeit von Roma in der Slowakei.
Und die nominierten Fotografen kommentieren ihre Fotoreportagen aus Litauen, Bergkarabach und dem russischen Dorf Elatma. Sie erzählen vom Leben und vom Tod, vom kalten Frieden entlang von Schützengräben und von der Verbannung ins Paradies.
Die Laudationes auf die Preisträger halten Werner D’Inka (Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung), Silke Engel (Sprecherin der Universität Potsdam) und Michael Hauri (Geschäftsführer von 2470.media).
Im Rahmen des Abends wird außerdem der Recherchepreis Osteuropa von Brot für die Welt und Renovabis vergeben.
Durch den Abend führt Tamina Kutscher (Vorstand n-ost, Chefredakteurin dekoder.org).

Nominierte n-ost-Reportagepreis 2017

Die Nominierten der Kategorie Textreportage sind:
  • Alice Bota: Dieser Mann will ins Gefängnis, Die Zeit, 09.06.2016 
  • Roman Deininger: Stolz und Vorurteil, Süddeutsche Zeitung, 11.06.2016
  • Felix Hutt: 71 Leben, Stern, 04.08.2016

Die Nominierten der Kategorie Radioreportage sind:
  • Elisabeth Putz: Die Alltäglichkeit des Unsichtbaren, Deutschlandradio, 28.05.2016
  • Rainer Schildberger: Ingredients of democracy. Der Traum von einem neuen Griechenland, RBB-Hörfunk, 08.06.2016
  • Heike Tauch: Bürger zweiter Klasse. Eine neu-deutsche Familie, DLF, 15.11.2016

Die Nominierten der Kategorie Fotoreportage sind:
  • Hannes Jung: How is life?, Emerge, 22.12.2016
  • Anastasia Rudenko: Paradise, Fluter.de, 19.02.2016 
  • Jakob Schnetz: Kalter Frieden, Hant, 11.06.2016 

n-ost
Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung
Alexandrinenstraße 2-3
D-10969 Berlin

Tel: +49 (0)30-259 32 83-0
Fax: +49 (0)30-259 32 83-24
mail@n-ost.org

Montag, 19. Juni 2017

Anhörung zum NetzDG: ROG fordert grundlegend neuen Ansatz zur Regulierung sozialer Netzwerk

Anhörung zum NetzDG: ROG fordert grundlegend neuen Ansatz zur Regulierung sozialer Netzwerk


(Diese Meldung auf der ROG-Webseite: http://ogy.de/kff1)

19.06.2017 – Reporter ohne Grenzen (ROG) appelliert an den Bundestag, das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz in seiner aktuellen Form abzulehnen, um Schaden von der Presse- und Meinungsfreiheit abzuwenden.

„Strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken sind ein reales Problem und sollten gelöscht werden. Aber dieser Gesetzentwurf vermischt ganz verschiedenartige Rechtsprobleme, setzt auf untaugliche Mittel und ist schlecht begründet“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr vor der Anhörung zum Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen am (heutigen) Montag im Rechtsausschuss des Bundestags, zu der als Sachverständiger geladen ist (http://ogy.de/n290).

„Soziale Netzwerke sind längst zu wichtigen Werkzeugen der Pressefreiheit geworden. Wer sie regulieren will, muss mit Augenmaß vorgehen, um das Problem der intransparenten und willkürlichen Löschpraktiken von Unternehmen wie Facebook nicht noch zu verschärfen“, sagte Mihr. „Deshalb sollte der Bundestag in der kommenden Legislaturperiode einen grundlegend neuen Anlauf unternehmen, um auf solider Datengrundlage und unter frühzeitiger Einbeziehung der Zivilgesellschaft eine angemessene Regulierung zu entwickeln.“

Die ROG-Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD steht unter http://ogy.de/9oxu zum Download bereit. Weitere Materialien zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) wie die kritischen Stellungnahmen des UN-Sonderberichterstatters für Meinungsfreiheit, David Kaye, und des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/internetfreiheit/regulierung-sozialer-medien/.

SOZIALE NETZWERKE HABEN GROSSES FREIHEITSPOTENZIAL

Soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter sind heute wichtige Recherche- und Verbreitungswegen für Journalisten. In Ländern wie China, der Türkei oder Vietnam ermöglichen sie es Journalisten, die umfassende Zensur traditioneller Medien zu umgehen und neue Kanäle zu finden, um trotz staatlicher Restriktionen unabhängige Informationen zu verbreiten. Manche Nachrichtenportale publizieren nur oder vor allem auf solchen Plattformen. Auch in Deutschland sind Medienhäuser und Journalisten auf soziale Plattformen angewiesen, um neue Verbreitungswege zu entwickeln und trotz veränderter Gewohnheiten der Mediennutzung ihr Publikum zu erreichen.

Dieses enorme Freiheitspotenzial droht beschädigt zu werden, wenn Deutschland im Hauruckverfahren ein unausgereiftes Gesetz mit gefährlichen Folgen für die Pressefreiheit in die Welt setzt, das zum Präzedenzfall für neue Zensurgesetze in Ländern mit weniger entwickeltem Rechtsstaat werden könnte.

IMMER WIEDER WERDEN JOURNALISTISCHE BEITRÄGE GELÖSCHT

Dabei wäre eine Regulierung sozialer Medien dringend nötig. Denn schon heute entfernen soziale Netzwerke immer wieder journalistische Inhalte und rücken allenfalls nach Protesten davon ab. So löschte Facebook im vergangenen September einen Post der norwegischen Zeitung Aftenposten, der das weltberühmte Foto des „Vietnam-Mädchens“ zeigte, das nackt vor einem Napalm-Angriff flieht (http://ogy.de/0g95). Im Juni 2016 sperrte das soziale Netzwerk das Account des französischen Journalisten David Thomson von Radio France International, der auf dschihadistische Bewegungen spezialisiert ist und in einem älteren Post ein Foto gezeigt hatte, auf dem eine Flagge des „Islamischen Staates“ zu sehen war (http://ogy.de/ufzx). Im März 2015 sperrte Facebook das Account des US-Kunstkritikers Jerry Saltz, weil er mittelalterliche Gemälde mit Folterszenen hochgeladen hatte (http://ogy.de/1qwk).

In Myanmar geriet Facebook vergangenen Monat in die Kritik, weil das Netzwerk plötzlich Beiträge sperrte, die das Wort „kalar“ enthielten – eine oft von nationalistischen Hetzern verwendete abschätzige Bezeichnung für die muslimische Minderheit im Land (http://ogy.de/8h2a). Das gleiche Wort kann aber auch in völlig unverfänglichen Ausdrücken vorkommen oder in journalistischen Artikeln über die Hetze von Nationalisten gegen Minderheiten verwendet werden. Gelöscht wurde es trotzdem und automatisch (http://ogy.de/dc56).

Solche Fälle zeigen, wie problematisch es ist, dass soziale Netzwerke nach oft völlig undurchsichtigen Regeln in Eigenregie entscheiden, bestimmte Beiträge zu löschen. Seit Jahren kritisiert Reporter ohne Grenzen deshalb, dass zum Beispiel Facebook sich einer ernsthaften Debatte über seine intransparente Löschpraxis verweigert. Mit dem geplanten Netzdurchsetzungsgesetz will die große Koalition diese private Rechtsdurchsetzung nun verschärfen, anstatt die Löschpraktiken stärker an rechtsstaatliche Verfahren zu binden.

UNKLARE KRITERIEN, GEFÄHRLICH SCHWAMMIGE FORMULIERUNGEN

Das geplante Gesetz soll soziale Netzwerke mit mehr als zwei Millionen Nutzern in Deutschland verpflichten, „offensichtlich rechtswidrige“ Inhalte wie Volksverhetzung, Bedrohung, Beleidigung oder üble Nachrede innerhalb von 24 Stunden nach Eingang einer Beschwerde zu löschen, sonstige „rechtswidrige“ Inhalte innerhalb von sieben Tagen. Bei Verstößen droht das Gesetz verantwortlichen Personen mit Bußgeldern von bis zu fünf Millionen Euro, die betroffenen Unternehmen können mit bis zu 50 Millionen Euro belangt werden.

Die Gesetzesbegründung stützt sich auf die vagen Begriffe „Hasskriminalität“ und „strafbare Falschnachrichten“, deren Bekämpfung „auch in Deutschland eine hohe Priorität“ gewonnen habe. Damit lehnt sie sich offensichtlich an die in der öffentlichen Debatte geläufigen Begriffe „fake news“ und „hate speech“ an. Statt sie jedoch klar zu definieren, verweist der Entwurf auf eine Reihe bestehender Straftatbestände. Als Beleg nennt er eine einzige Erhebung von jugendschutz.net, die auf begrenzter Datenbasis nur zwei dieser Straftatbestände untersuchte, nämlich Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (http://ogy.de/aka8).

Warum und nach welchen Kriterien 22 weitere Straftatbestände in das Gesetz aufgenommen werden sollen, ist nicht nachvollziehbar: Der Entwurf kann nicht belastbar zeigen, bei welchen Delikten welche Probleme in der Rechtsdurchsetzung auftreten. Für das vermeintliche Problem „strafbarer Falschnachrichten“ konnte das Bundesjustizministerium auf Nachfrage von Journalisten kein einziges Beispiel nennen (http://ogy.de/897q).

Das Gesetz soll laut Entwurf auch für „andere strafbare Inhalte“ gelten – eine schwammige und willkürlich auslegbare Formulierung, die Spielraum für eine unverhältnismäßig breite Interpretation lässt. In autokratisch regierten Ländern werden solche vagen Formulierungen regelmäßig genutzt, um Grundrechte zu beschneiden.

Durch strenge Zeitvorgaben und die Androhung hoher Bußgelder birgt das Gesetz die Gefahr, dass soziale Netzwerke in Zukunft übermäßig Inhalte blockieren. Indem die Betreiber aus Angst vor Strafe in jedem Fall rechtmäßig handeln wollen, könnten sie im Zweifel auch journalistische Artikel oder Meinungsäußerungen löschen, bei denen nicht abschließend geklärt ist, ob sie rechtswidrig sind oder nicht. Über die Rechtmäßigkeit von Meinungsäußerungen müssen jedoch unabhängige Gerichte entscheiden; keinesfalls darf diese Aufgabe noch stärker an kommerzielle Unternehmen ausgelagert werden.

„HASSKRIMINALITÄT“ UND „STRAFBARE FALSCHNACHRICHTEN UNTERSCHIEDLICH BEHANDELN

Bedenklich ist außerdem, dass der Gesetzentwurf „Hasskriminalität“ ebenso behandelt wie „strafbare Falschnachrichten“: Während es in Fällen offensichtlicher „Hasskriminalität“ geboten sein kann, Beiträge schnell zu sperren, um Schaden vom demokratischen Diskurs abzuwenden, ist die Prüfung angeblicher Falschnachrichten rechtlich deutlich komplexer. Wenn Mitarbeiter sozialer Netzwerke fortan den Wahrheitsgehalt von Informationen unter hohem Zeitdruck prüfen sollen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch journalistische Berichte löschen, die zum Beispiel aus Gründen des Quellenschutzes Faktenbehauptungen enthalten, die nicht unmittelbar nachprüfbar sind.

Das Gesetz verpflichtet soziale Netzwerke auch zur Einführung so genannter Inhaltsfilter – digitaler Systeme also, die online gestellte Inhalte in Bruchteilen von Sekunden analysieren und gegebenenfalls an allen verfügbaren Stellen löschen. Dies kann zur Folge haben, dass Menschen bestimmte Inhalte faktisch nicht mehr veröffentlichen können, obwohl sich keine juristische Instanz damit auseinandergesetzt hat, ob deren Inhalt strafbar ist oder nicht. So können zum Beispiel Rekrutierungsvideos der Terrororganisation „Islamischer Staat“ für sich genommen rechtswidrig sein. Wenn sich Journalisten aber damit kritisch auseinandersetzen, kann es rechtens und aus demokratischer Perspektive wünschenswert sein, solches Material auszugsweise zu zeigen.

Wegen dieser und weiterer Mängel empfiehlt Reporter ohne Grenzen dem Bundestag, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz insgesamt zu verwerfen. In der kommenden Legislaturperiode sollte dann ein völlig neuer Anlauf zur Regulierung sozialer Netzwerke genommen werden, in den alle Stakeholder einbezogen werden müssen und für den zunächst eine ernstzunehmende empirische Datengrundlage zu schaffen ist. Dabei muss es nicht zuletzt darum gehen, die Unternehmen zu verbindlicher Transparenz über ihre Löschpraktiken wie auch zu mehr Transparenz über ihre Algorithmen zu bewegen.

PROTEST AUS DER GESELLSCHAFT

Reporter ohne Grenzen hat bereits Anfang April zusammen mit einer breiten Allianz von Wirtschaftsverbänden, netzpolitischen Vereinen, Bürgerrechtsorganisationen und Rechtsexperten in einer gemeinsamen „Deklaration für die Meinungsfreiheit“  vor den Auswirkungen des Gesetzentwurfs auf die Meinungsfreiheit gewarnt (http://t1p.de/ryae; http://deklaration-fuer-meinungsfreiheit.de).

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Deutschland auf Platz 16 von 180 Staaten. Weitere Informationen zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/deutschland.


WEITERFÜHRENDE LINKS:

- ROG-Stellungnahme für die Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestags: http://ogy.de/9oxu

- Materialien zur NetzDG-Debatte: www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/internetfreiheit/regulierung-sozialer-medien/

Mittwoch, 14. Juni 2017

DIGILITY - Europas größte Augmented und Virtual Reality-Konferenz und Expo findet zum zweiten Mal in Köln statt

#AR #VR #MR #360 #3D #DIGILITY17

Vom 05. - 06. Juli wird die DIGILITY Konferenz und Expo ihren Fokus erneut auf die Themen Augmented und Virtual Reality, Mixed Reality, Wearable Computing, 360°-Imaging, 3D-Entwicklungen und Künstliche Intelligenz legen. Nach der letztjährigen, erfolgreichen Premiere mit 1.000 internationalen Teilnehmern aus 32 Ländern und mehr als 70 Speakern, forciert die Koelnmesse Investitionen in neue Entwicklungen und die rasch anwachsenden, digitalen Märkte. Zum ersten Mal wird die DIGILITY in diesem Jahr gemeinsam mit dem Hauptsponsor Audi und weiteren Partnern wie HTC, Vectorform und Salt ’n Pepper, einen Hackathon ausrichten. Dieser wird 32 Stunden dauern und damit die dritte wichtige Säule neben der Konferenz und Expo für die DIGILITY sein.

International bekannte Speaker wie Jody Medich (Singularity University), Prof. Mel Slater (eventLAB / Virtual Body Works), Bianca Jürgens (Mercedes-Benz), Yobie Benjamin (Avegant), Jay Donovan (TechCrunch), Rosa Riera (Siemens), Hervé Fontaine (HTC) und Dominic Eskofier (NVIDIA) – werden Visionen, praktische Anwendungen für AR/VR/MR präsentieren und Einblicke in immersive Technologien und Innovationen geben.

Jody Medich arbeitete als Principal Experience Designer maßgeblich am HoloLens-Projekt bei Microsoft und als Principal UX bei LEAP Motion mit. Sie wird auf der DIGILITY zeigen, wie die Verschwendung von kognitiven Ressourcen mit Hilfe von AR/VR/MR aufgehalten werden kann und die Schnittstellen von Kopf-Körper-Computer durch Entwickler völlig neu gedacht werden müssen.

Prof. Mel Slater wird Ideen präsentieren, wie Virtual Reality unser menschliches Leben bereichern und verbessern kann. Seine Forschungen haben das Verständnis, wie VR unsere Wahrnehmung des Menschen an sich verändern kann, elementar geprägt. Außerdem wird Yobie Benjamin, Technology Pioneer des World Economic Forums und Mitgründer von Avegant, einen Einblick darüber geben, welche zugrundeliegenden Technologien unsere Experiences mit am Körper tragbaren Datengeräten vorantreiben. Und last but not least wird Rosa Riera vom Launch der neuen Employer Brand von Siemens berichten, die mit einer Serie an VR-Dokumentationen vorgestellt wurde und maßgeblich den Dialog im Unternehmen fördert.

Die enorm schnell wachsende AR/VR-Industrie steigert die Notwendigkeit und Nachfrage nach stabilen Hardware- und Softwarelösungen, neuen Geschäftsmodellen sowie den Ruf nach Investitionen und Förderungen. Die DIGILITY wird auch 2017 eine offene Plattform bieten, für alle jene, die sich für neue Möglichkeiten in der Entwicklung für Marken, Unternehmen, den Mittelstand und Chancen für Startups und Investoren interessieren. Einige der Highlights werden sein: die Keynote von Mercedes-Benz, die Virtual Reality im Bereich Engineering Research und Implementation mittels Virtual Reality einsetzen; Innovationen wie Innoactives’ Holocloud - ein VR Kollaborationstool für Enterprises - oder MediaMarktSaturns Lösung für den Einzelhandel, die bereits einen Ausblick in Richtung Zukunft gibt: Roboter werden uns durch Shops navigieren, Augmented und Virtual Reality werden unsere Online- und Offline-Welten miteinander verschmelzen lassen; und Artificial Intelligence wird genau das Produkt präsentieren, wonach der Kunde sucht. Auf der Expo im Boulevard der Koelnmesse werden Aussteller aus der ganzen Welt ihre Services und Produkte präsentieren und die Besucher sie selbst ausprobieren lassen.

DIGILITY HACKATHON
Der erste DIGILITY Hackathon wird am 05. Juli morgens starten und der „Wissensgenerator“ des Events sein. Die Koelnmesse und Audi als Hauptsponsor, werden rund 100 Interessierten die Möglichkeit geben, 32 Stunden lang an einer gemeinsamen Problemstellung, kollaborativ zu arbeiten und die Ergebnisse am zweiten Tag der Konferenz einem breiten Publikum zu präsentieren.

„Audi ist der Ansicht, dass dies ein wichtiger Moment ist, um den aktuellen Stand der virtuellen Zusammenarbeit, Interaktion und des UX/UI-Designs in diesen Technologien zu erforschen und wir sind stolz, den DIGILITY Hackathon 2017 zu sponsern. Audi unterstützt die Herausforderung, aus neuen Ideen rasch Prototypen zu entwickeln, neue Talente zusammenzubringen und so eine europäische XR-Szene zu entwickeln", sagen Jan Pflüger und Jens Angerer vom Kompetenzzentrum AR & VR/ProductionLab @Audi.

Um am Hackathon teilzunehmen, können Interessierte sich auf der Website der DIGILITY  bewerben. Unterstützt wird der Hackathon von den Firmen Unity, Vectorform sowie Salt ’n Pepper.

Mehr Informationen
An beiden Konferenztagen werden die Teilnehmer in Workshops neue Developing Tools, Hardware-Lösungen und Design Thinking-Methoden erlernen können. Die Themen reichen von „Creating Cinematic VR Content“, „How to identify a meaningful VR product for your business“ bis hin zu „Interactive 360° VR Experiences in minutes“. Eine Anmeldung zu den Workshops ist ebenfalls auf der Website erforderlich.

Die Liste der Speaker, die Themen und das Programm werden kontinuierlich bis zum Event aktualisiert. Tickets und Informationen erhalten Sie unter www.digility.de .

Bilder und die Keynotes der DIGILITY 2016 sind hier verfügbar: http://www.digility.de/index.php?id=picsandvids&L=0.

Den Video Review des letzten Jahres finden Sie hier:
https://www.youtube.com/watch?v=1Qia0CIuEBc .

Alle Informationen über die DIGILITY 2017, sowie Fotos und Materialien, finden Sie unter www.digility.de.

Facebook: www.facebook.com/digility.cologne
Twitter:  http://twitter.com/digilityCGN
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Samstag, 10. Juni 2017

„Vom Brückenbauen und platzenden Blasen in der britischen Verlagswelt: Bücher in Zeiten des Brexit“ - Jacks Thomas, Direktorin der London Book Fair, über die Zukunft der britischen Verlagsbranche

Im Rahmen der Vorlesungsreihe „The Future of the UK / Die Zukunft Großbritanniens“ hält Jacks Thomas, Direktorin der London Book Fair, am Montag den 19. Juni 2017 um 17.00 Uhr, einen Vortrag über die Zukunft der britischen Verlagsbranche am Großbritannien-Zentrum (Mohrenstraße 60, Raum 105) der Humboldt-Universität zu Berlin.

In Ihrem Vortrag „Vom Brückenbauen und platzenden Blasen in der britischen Verlagswelt: Bücher in Zeiten des Brexit“ wird Jacks Thomas über die aktuellen Trends der britischen Verlagsbranche berichten. Zentrale Themen sind die Ungewissheit angesichts des Brexit und die Zukunft der Verlagsbranche in einer „post-truth“-Ära, die zunehmend von gefälschten Nachrichten beeinflusst wird.

Der Vortrag ist kostenfrei und findet in englischer Sprache statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Großbritannien-Zentrums (GBZ) an der Humboldt-Universität zu Berlin:

www.gbz.hu-berlin.de

Jacks Thomas ist seit Januar 2013 Direktorin der London Book Fair. Mit über 25.000 Teilnehmern aus 124 Ländern gehört die internationale Buchmesse zu den etablierten und wichtigen Ereignissen der globalen Verlagsbranche.

Freitag, 2. Juni 2017

Flüchtlings-Kochbuch zum Leben erwecken – unterstützen Sie uns!

Hallo zusammen,

wir arbeiten seit zwei Jahren an einem Kochbuch mit Flüchtlingen, denn wir glauben, dass dadurch Deutschlands Küche reicher wird. Dabei haben wir köstliche unbekannte Gerichte entdeckt – wie zum Beispiel einen armenischen Zimtkürbis.

Die Verlage behaupten für dieses Thema gibt es keine Leser in Deutschland. Wir glauben das einfach nicht! Deshalb möchten wir mit einer Crowdfunding- Aktion das Kochbuch zum Leben erwecken.

Und jetzt kommen Sie ins Spiel – damit wir das Geld für die Mindestauflage zusammen bekommen, benötigen wir für unser Projekt natürlich die höchstmögliche Aufmerksamkeit. Alle übrigen Gelder werden gespendet oder fließen in weitere Flüchtlingsprojekte.

Hier finden Sie den Link zum Crowdfunding: www.startnext.com/recipeswelcome

Es wäre super, wenn Sie:
  1. uns am besten selbst unterstützen und ein Buch kaufen :-)
  1. das Projekt auf Ihrer Webseite oder im Newsletter erwähnen
  1. das Projekt in Ihren sozialen Netzwerken teilen
  1. uns weitere Kontakte vermitteln, für die unser Projekt interessant ist
Hier noch unsere Facebook- und Instagram-Seite:

https://www.facebook.com/recipeswelcome/

https://www.instagram.com/recipeswelcome/ #recipeswelcome

Bei Rückfragen melden Sie sich bitte einfach.

Vielen Dank für alles!

Herzliche Grüße,

Anna, Kathi & Nora